Geschwister-Scholl-Preis

 

Die Geschwister scholl und die weiße Rose

 

Die „Weiße Rose“

Die Weiße Rose ist eine der bekanntesten Widerstandsgruppen, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur richtete. Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität, durch Gleichgesinnte unterstützt, fanden sich ab 1941 in ihrer oppositionellen Haltung um Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und Prof. Dr. Kurt Huber zusammen. Im Juni/Juli 1942 schrieben und verteilten Hans Scholl und Alexander Schmorell die ersten vier „Flugblätter der Weißen Rose“. Nach ihrer Rückkehr als Sanitätsfeldwebel von der Ostfront im November 1942 intensivierten sie ihren Widerstand und bezogen weitere Personen mit ein. Mauerinschriften wie „Nieder mit Hitler oder „Freiheit“ an öffentlichen Gebäuden sollten die Bevölkerung zusätzlich aufrütteln. Ein fünftes und sechstes Flugblatt wurde auch in anderen Städten wie Ulm, Stuttgart, Saarbrücken, Hamburg oder Berlin verteilt. Das sechste Flugblatt fand die größte Verbreitung. Im Juli 1944 warf die Royal Air Force über fünf Millionen Kopien über Norddeutschland ab.
Am 18. Februar 1943 warfen Hans und Sophie Scholl das sechste Flugblatt vom zweiten Stock in den Lichthof des Hauptgebäudes der Universität. Sie wurden entdeckt und sofort verhaftet. Nur vier Tage später wurden die Geschwister und Christoph Probst vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag ermordet.
In weiteren Prozessen vor dem Volksgerichtshof wurden Prof. Dr. Kurt Huber, Alexander Schmorell, Willi Graf und Hans Leipelt zum Tode durch das Fallbeil verurteilt, über 20 Personen erhielten in diesem Zusammenhang teilweise lange Haftstrafen.
Der Freundeskreis der Weißen Rose teilte ein großes Interesse an Kunst, Musik und Literatur. Besonders Hans und Sophie Scholl beschäftigten sich intensiv mit religionsphilosophischen Fragen. Allen gemeinsam war die Suche nach Freiheit, nach geistiger Unabhängigkeit und die Fähigkeit zum eigenständigen kritischen Urteil. Das Bewusstsein, als christlicher Mensch zum Handeln verpflichtet zu sein, um nicht selbst schuldig zu werden, war zentrales Motiv ihres Widerstands.
Die „Geschwister Scholl“ sind zum Synonym für die Widerstandsgruppe geworden.

Hans Scholl

Hans Scholl, geboren 1918 in Crailsheim, kommt aus einem liberalen Elternhaus. Die Eltern lehnen die nationalsozialistische Regierung ab.
In Opposition zu den Eltern tritt Hans Scholl 1933 in die Ulmer Hitlerjugend ein und übernimmt dort bald führende Positionen. Erst die Erfahrungen des zunehmenden staatlichen Terrors und die Einschränkung seiner persönlichen Freiheit bewirken seine wachsende Kritik am NS-Regime.
Im April 1939, nach Reichsarbeits- und Wehrdienst, beginnt Hans Scholl an der Universität München mit dem Studium der Medizin. An der Fakultät und in der Studentenkompanie, in der die Studenten der Medizin zum Sanitätsfeldwebel ausgebildet werden, begegnet er Gleichgesinnten. Ein Freundeskreis entsteht, der in oppositioneller Haltung zu Krieg und nationalsozialistischer Diktatur steht.
Moralische Orientierung findet Hans Scholl in Literatur und Philosophie: Er liest französische Autoren des „Renauveau Catholique“ und knüpft bald Kontakt u.a. zu dem katholischen Religionsphilosophen Carl Muth, dem Schriftsteller Theodor Haecker, dem Regimegegner Josef Furtmeier oder zu Prof. Kurt Huber, der sich dem Widerstand der Studenten Ende 1942 aktiv anschließt. Besondere Bedeutung bekommt für Hans Scholl der russische Schriftsteller Dostojewski. Angeregt von Alexander Schmorell lesen und diskutieren Hans Scholl, Christoph Probst und Willi Graf seine Romane.

Sophie Scholl

Sophie Scholl wird 1921 in Forchtenberg geboren. 1934 tritt sie wie auch ihre Geschwister in die Hitlerjugend ein. Die Verhaftung ihrer Brüder und deren Freunde 1937 wegen „bündischer Umtriebe“, der Beginn des Zweiten Weltkrieges, die Erfahrungen des Reichsarbeitsdienstes und des Kriegshilfsdienstes 1941 sind einschneidende Erlebnisse, die Sophie Scholl zum Umdenken bewegen. Sie fängt an, über passiven Widerstand nachzudenken und ihn zu praktizieren. Gespräche mit regimekritischen Schriftstellern, Philosophen und Künstlern werden für sie wichtig. Besonders beschäftigt sie sich mit Fragen des christlichen Glaubens. Sie liest Augstinus, Thomas von Aquin und Søren Kierkegaard.
Im Mai 1942 beginnt Sophie Scholl mit dem Studium der Philosophie und Biologie in München. Sie schließt sich dem Freundeskreis ihres Bruders Hans Scholl an. Ende 1942 wohnt sie mit ihm gemeinsam in der Franz-Josef-Straße 13. Nun beteiligt sie sich aktiv an der Herstellung und Verbreitung des fünften und sechsten Flugblattes.
Im Verhör durch die Gestapo begründet Sophie Scholl ihren Widerstand kompromisslos: „Als weiteren und schließlich als hauptsächlichsten Grund für meine Abneigung gegen die Bewegung möchte ich anführen, dass nach meiner Auffassung die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise eingeschränkt wird, die meinem inneren Wesen widerspricht. Zusammenfassend möchte ich die Erklärung abgeben, dass ich für meine Person mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben will.“

Das Vermächtnis

Im Sinne das Vermächtnis der Weißen Rose zeichnet der Geschwister-Scholl-Preis jährlich ein Buch aus, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Er ist damit Bestandteil der Erinnerungskultur um die Weiße Rose.

 

Weiterführende Links

 

Stand: Juli 2012

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