Geschwister-Scholl-Preis
Die Geschwister scholl
Die „Weiße Rose“
Die Münchner Studentengruppe „Weiße Rose“ versuchte in den Jahren 1942 und
1943 mit aufrüttelnden Flugschriften und ungeheurem Mut gegen die nationalsozialistische
Diktatur vorzugehen. Die Geschwister Sophie und Hans Scholl gehörten
zum inneren Kern dieser Widerstandsgruppe. Sie stehen heute beinahe
synonym für die „Weiße Rose“. Insgesamt war deren Kreis wesentlich größer
als die Münchner Hauptgruppe und erstreckte sich über mehrere kleinere Gruppen
auch in anderen Städten. Der einprägsame Name wurde den ersten vier Flugschriften
entnommen, die mit „Flugblätter der Weißen Rose“ betitelt waren. Die
„Weiße Rose“ gehört zu den bekanntesten Widerstandsgruppen im Dritten Reich.
Sophie und Hans Scholl
stammten aus dem Württembergischen und interessierten sich beide für
theologische, philosophische und literarische Fragen. Ihr humanistisches
Denken und ihr Freiheitsstreben verband sie ebenso wie ihre kritische
Urteilsfähigkeit. Im Umkreis der Münchner Universität entstand um sie herum
ein Freundeskreis von Gleichgesinnten, die ausländische Schriften lasen,
Kontakt zu verbotenen Autoren suchten und schließlich dazu übergingen, mit
dem Mittel der Sprache, aktiv etwas gegen das verbrecherische Hitler-Regime
zu unternehmen.
Hans
Scholl
Hans Scholl, geboren 1918, stand zunächst nicht in Opposition zum Regime
Hitlers. Er übernahm sogar eine leitende Funktion in der Hitlerjugend.
Dort kam er aber auch in Kontakt mit ehemaligen Mitgliedern des Bundes
Deutsche Jungenschaft. Da Jugendgruppen außerhalb der Hitlerjugend
verboten waren, da sie dem Gleichschaltungs- und Zwangprinzip
des Nationalsozialismus widersprachen, wurde ein Verfahren gegen Hans
Scholl einberufen und er wurde kurzzeitig inhaftiert. Ab 1939 studierte
er in München Medizin und schloss dort Freundschaft mit Alexander Schmorell,
Christoph Probst und Willi Graf. Diese Freundschaft wurde richtungweisend
für seine immer stärkere Ablehnung gegen das nationalsozialistische
Regime. Mit Alexander Schmorell verfasste er 1942 die ersten Flugblätter.
Freunde und Mitwisser halfen diese zu verbreiten und zu versenden.
Das Bewusstsein
zum Handeln verpflichtet zu sein, um nicht selbst schuldig zu werden,
war dabei das zentrale Motiv, das sich auch in den Flugblättern immer
wieder findet: „Beweist durch die Tat, daß Ihr anders denkt!“. Im Laufe
der Jahre 1942 und 1943 entstanden weitergreifende Kontakte zu Kritikern
des Regimes. Beispielsweise zu dem Münchner Philosophieprofessor Kurt
Huber, der später sogar zum aktiven Kern der „Weißen Rose“ gehörte
und das sechste Flugblatt verfasste. Die „Weiße Rose“ schrieb Ihre
Aufrufe zum Widerstand in dieser Zeit sogar auch an Münchner Häuserwände.
Sophie Scholl
Hans drei Jahre jüngere Schwester Sophie gehörte schon bald
nach Beginn ihres Philosophie- und Biologiestudiums 1942 in München auch
zur „Weißen Rose“. Sie wusste sicher schon früh von deren Aktionen, ihre
aktive Mitarbeit gilt aber erst ab dem fünften Flugblatt als gewiss.
Analog zum Werdegang ihres Bruders war auch sie Anfang der 30er Jahre
in die Jugendorganisation der Nationalsozialisten eingebunden. Schon
ab 1937, dem Jahr der kurzen Inhaftierung ihres Bruders, zeigten sich
allerdings Konflikte zwischen ihrem persönlichen Denken und den totalitären
Ansprüchen der Jugendorganisation, was zu einer inneren Abkehr von den
Nationalsozialisten führte. Sophie Scholl begründete die Ablehnung gegen
das Regime in ihrer ersten Vernehmung 1943 damit, dass es die geistige
Freiheit des Menschen in einer Weise einschränke, die ihrem inneren Wesen
widerspreche. Dieser Eindruck wurde auch vom militärisch organisierten
Arbeitsdienst geprägt, dem sie zunächst durch eine Ausbildung zur Kindergärtnerin
entgehen wollte.
Der Mut zum Aufbegehren speiste sich bei den Geschwistern Scholl aus
ihrem ausgeprägten Werteempfinden, dass sie aus ihrem liberalen Elternhaus
mitbekommen hatten. Dazu kam gerade bei Sophie Scholl eine starke Orientierung
an christlichen Werten. Ihren Bruder bestärkten die Erlebnisse als
Soldat an der Ostfront zusätzlich in seiner Widerstandshaltung.
Als Hans und Sophie
Scholl die sechste Flugschrift in der Münchner Universität auslegten
und einige der Blätter in den dortigen Lichthof warfen, wurden sie
verhaftet und bald darauf durch den Volksgerichtshof verurteilt. Beide
wurden zusammen mit Christoph Probst am 22. Februar 1943 in München
hingerichtet. Es folgten weitere Prozesse gegen aktive Mitglieder der „Weißen
Rose“, sogar gegen passive Unterstützer. Die anderen Hauptakteure der „Weißen
Rose“ Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber wurden schließlich
ebenfalls zum Tode verurteilt.
Das Vermächtnis
Das Vermächtnis der Geschwister
Scholl und ihrer Freunde sah die Münchner Zeitgenossin Hildegard Hamm-Brücher
in einem Interview für die Bundeszentrale
für politische Bildung darin,
dass es immer Menschen geben müsse, die sich dafür mitverantwortlich
fühlten, dass unsere Freiheit nie wieder gefährdet werde. Dafür steht
auch der Geschwister-Scholl-Preis, in dessen Statuten verankert ist,
dass mit dem Geschwister-Scholl-Preis jährlich ein Buch ausgezeichnet
wird, das im weitesten Sinn an das Vermächtnis der Geschwister Scholl
erinnert, von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche
Freiheit, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen
Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.
Weiterführende Links
- www.gsi.uni-muenchen.de (Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft mit Informationstext und Literaturhinweisen)
- www.bpb.de (Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung)
- www.dhm.de (Vorstellung verschiedener Widerstandsgruppen)
- www.gegen-diktatur.de ( Informationstext u.a. mit den Texten der Flugblätter)
- www.kriegsende.ard.de (Unter „Themen“ findet sich der Punkt Widerstand, der neben der „Weißen Rose“ auch andere Widerstandsgruppen aufführt)
- www.gdw-berlin.de (Biographien, darunter auch die Mitglieder der „Weißen Rose“)
- www.shoa.de (Informationstext über die „Weiße Rose“)
- www.shoahproject.org (Website u.a. mit Zeittafel und den Flugblättern)
- www.planet-wissen.de (Artikel zur „Weißen Rose“)
- www.ulm.de (Biographie der Geschwister Scholl)
- www.sophiescholl-derfilm.de(Offizielle Seite zum Kinofilm „Sophie Scholl – Die letzten Tage“)
Stand: September 2008