Preisträgerin 1984

Anja rosmus-wenninger

Geschwister-Scholl-Preis 1984, Rosmus-Wenninger, Cover

Anja Rosmus-Wenninger
"Widerstand und Verfolgung. Am Beispiel Passaus 1933-1939 "

Andreas-Haller-Verlag
Passau 1983


nur antiquarisch erhältlich

 

Die Verleihung

Am 19. November 1984 nahm Anja Rosmus-Wenninger im Alten Rathaussaal in München den Preis entgegen. Bürgermeister Klaus Hahnzog und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der feierlichen Verleihung hielt Armin Eichholz.

 

Die Begründung der Jury

Ausgehend von einem Schülerwettbewerb „Deutsche Geschichte“ um den Preis des Bundespräsidenten hat Anja Rosmus-Wenninger den höchst unbequemen Mut aufgebracht, sich nicht zufrieden zu geben mit dem vorhandenen, fertig gerahmten Geschichtsbild ihrer Heimatstadt. Unter dem Eindruck, dass die 30er Jahre bald wie der 30jährige Krieg nur noch aus den Archiven zugänglich sind und nur Genormtes überliefert wird, wandte sie sich, 45 Jahre nach Kriegsbeginn, mit der Bitte um Aufklärung an die letzten Augenzeugen.
Maßgebend für die Verleihung war nicht der bei Bürgern und Ämtern ausgelöste Unwille, auf die späten Fragen einer Unbetroffenen einzugehen. Vielmehr achtet die Jury das jugendlich unbeirrte, von keiner Ideologie gelenkte und von wenig Sympathie begleitete Durchhalten von Anja Rosmus-Wenninger beim Erforschen der Wahrheit. Ihre Dokumentation ist weder Anklage noch Schuldzuweisung, sondern frisch erarbeiteter Lehrstoff zum vorsorglichen Nachdenken über das Menschenmögliche.

 

Anja rosmus-wenninger

Anna Elisabeth Rosmus, auch Anja genannt, wurde 1960 in Passau geboren. 1980 nahm sie an einem Aufsatzwettbewerb it dem Thema „Alltag im Nationalsozialismus. Vom Ende der Weimarer Republik bis zum Zweiten Weltkrieg“ teil. 1983 wurde das daraus resultierende Buch „Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933–1939“ veröffentlicht. Ihre Recherchen brachten sie dazu, Passau zu verlassen. Seit 1994 lebt sie in den USA. Seit den Anfängen in Passau konzentriert Anna Rosmus ihre Forschungsarbeit auf die Zeit des Nationalsozialismus. Sie hat mehrere Bücher und zahlreiche Veröffentlichungen für wissenschaftliche Institutionen, Zeitschriften und Zeitungen publiziert. Ihre Lebensgeschichte diente Michael Verhoeven 1990 als Vorbild für seinen Film „Das schreckliche Mädchen“.

 

Das Werk

Im Rahmen eines Aufsatzwettbewerbs begann Anna Rosmus im Alter von 20 Jahren die Geschichte Passaus in der Zeit zwischen der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zu erforschen. Von Anfang an stößt sie bei ihren Recherchen über das Schicksal von Passauer Juden auf Widerstand: Drei Jahre lang wird ihr der Zugang zum Stadtarchiv verweigert. Akteneinsicht erstreitet sie sich schließlich vor Gericht. Sie holt die braune Vergangenheit vieler – zumeist prominenter – Passauer ans Licht und konfrontiert Honoratioren aus dem Klerus und der Politik mit ihrer Nazi-Geschichte. Eine Widerstandbewegung gab es in Passau nicht. Der Widerstand äußerte sich im Wesentlichen in Nicht-Anpassung und Verweigerung. Verfolgt wurden – wie im ganzen „Dritten Reich“ – Juden, Katholiken, Sozialdemokraten und Kommunisten. Das Buch handelt von einer durchschnittlichen deutschen Kleinstadt und ihrem „alltäglichen Faschismus“.

 

Die Mitglieder der Jury 1984

Dr. Gisela Uellenberg, Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross, Jost Herbig, Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding

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