Preisträger 1985

jürgen habermas

Geschwister-Scholl-Preis 1985, Habermas, CoverJürgen Habermas
"Die neue Unübersichtlichkeit "

 

edition suhrkamp

Frankfurt am Main 1985
286 Seiten, € 9.00
ISBN 3-518-11321-6

 

Die Verleihung

Am 18. November 1985 nahm Jürgen Habermas bei einer feierlichen Verleihung den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Prof. Dr. Alexander Kluge.

 

Die Begründung der Jury

Mit dem Buch „Die neue Unübersichtlichkeit“, einer Sammlung publizistischer Arbeiten der letzten Jahre, legt der international renommierte Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas erneut Zeugnis ab von seinem singulären Rang als hellsichtiger Diagnostiker der geistigen und politischen Kultur der Bundesrepublik. „Die neue Unübersichtlichkeit“ beschreibt und analysiert die Krisenphänomene unserer Gegenwart: die Gefahren eines technischen Fortschritts, der außer Kontrolle zu geraten droht, die Gefährdungen des Sozialstaats, die staatliche Überreaktion gegenüber Spuren zivilen Ungehorsams, die notorische Selbstgerechtigkeit im Umgang mit der Vergangenheit, die neuerliche Konjunktur mythischen Denkens, schließlich die Irritationen und Bewusstseinseintrübungen einer Epoche, der ihre Selbstgewissheiten abhanden gekommen sind. Die Opposition gegen machtstaatliche Arroganz und das Engagement
für solidarische Formen des Zusammenlebens brachten Jürgen Habermas neben Zustimmung auch böswillige Verdächtigungen und berufliche Restriktionen ein. Für seinen vielfach bewiesenen intellektuellen Mut und seine moralische Integrität erhält Jürgen Habermas den Geschwister-Scholl-Preis des Jahres 1985.

 

jürgen habermas

Jürgen Habermas, geboren 1929 in Düsseldorf, ist emeritierter Professor für Philosophie und Soziologie. Er gilt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Bundesrepublik
Deutschland. Mit seiner aus der Frankfurter Schule entstandenen kritischen Gesellschaftstheorie rückte er während der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Sein Hauptwerk, die „Theorie des kommunikativen Handelns“ erschien 1981. 2001 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2004 den Kyoto-Preis für Philosophie. Jürgen Habermas lebt in Starnberg bei München.

 

Das Werk

„Die Neue Unübersichtlichkeit“ – der Begriff hat mittlerweile Eingang in die Umgangssprache gefunden – versammelt Reden, Interviews, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, in denen Jürgen Habermas sich kritisch zu aktuellen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft äußert. Habermas warnt vor einer Abkehr von der Moderne. Er macht einen neokonservativen Umschwung aus, der sich in alarmierendem Maße negativ auf den Umgang mit den jüngsten sozialen Errungenschaften auswirken könne. Habermas diagnostiziert einen reaktionären Zeitgeist nicht nur im Baustil und im philosophischen Diskurs, sondern sieht die Gesellschaft auch konfrontiert mit einem neuen autoritären Rechtsverständnis, einer Krise des Wohlfahrtsstaats und dem Verlust utopischer Energien.

 

Die Mitglieder der Jury 1985

Dr. Gisela Uellenberg, Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross, Jost Herbig, Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding

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