Preisträgerin 1986

cordelia edvardson

Geschwister-Scholl-Preis 1986, Edvardson, CoverCordelia Edvardson
"Gebranntes Kind sucht das Feuer"

 

Carl Hanser Verlag
München 1986


lieferbare Ausgabe:
Deutscher Taschenbuch Verlag
136 Seiten, € 7.00
ISBN 3-423-11115-1

 

Die Verleihung

Am 17. November 1986 nahm Cordelia Edvardson den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Armin Eichholz.

 

Die Begründung der Jury

Als Tochter der katholischen Dichterin Elisabeth Langgässer und eines jüdischen Vaters schildert sie in quälenden Familienszenen und Schreckensberichten aus den Lagern ihre barbarisch zerrissene Kindheit. Wie das von Spaniern adoptierte Mädchen der Mutter zuliebe nach Theresienstadt und Auschwitz geht, wie sie Buch führen muss beim KZ-Arzt Mengele, wie sie nach der Befreiung in Schweden langsam auflebt und schließlich im Jom-Kippur-Krieg zu sich findet – das ist Gegenwartsstoff für eine antike Tragödie. Cordelia Edvardson schreibt ihre ungeheuerliche Kinder- und Opfergeschichte so sachlich und doch fassungslos traurig, dass der Leser noch ein halbes Jahrhundert danach begreift: Die Vergangenheit ist unserer Barmherzigkeit ausgeliefert.

 

Cordelia edvardson

Cordelia Edvardson wurde 1929 in Berlin geboren und lebte dort bis 1943 mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer. 1943 kam sie mit einem „Judentransport“ über Theresienstadt nach Auschwitz. Sie überlebte die Zeit im Lager und arbeitete nach dem Krieg als Journalistin in Schweden. Während des Jom-Kippur-Krieges 1974 übersiedelte sie nach Israel, das für sie zur Wahlheimat wurde. Dort war die Schriftstellerin als Auslandskorrespondentin für eine große schwedische Tageszeitung tätig. 2006 kehrte sie nach Schweden zurück, wo sie 2012 verstarb.

 

Das Werk

In dem autobiografischen Roman beschreibt Cordelia Edvardson ihre Berliner Kindheit und ihren Weg in einem Judentransport über Theresienstadt nach Auschwitz. Der Versuch der Mutter, ihre Tochter, Kind eines jüdischen Vaters, vor den Rassengesetzen der Nazis zu schützen, indem sie eine spanische Adoption arrangierte, wird von der Gestapo aufgedeckt.
Um ihre Mutter vor der Bestrafung zu bewahren, unterzeichnet das vierzehnjährige Mädchen ein Dokument, mit dem sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft anerkennt, und damit zugleich ihren Abtransport nach Auschwitz. Dort wird sie leibhaftige Zeugin der Gräueltaten des KZ-Arztes Mengele. Lebendig, aber körperlich und seelisch zerrüttet, kann sie nach dem Krieg nach Schweden gebracht werden. Von den Ereignissen gezeichnet erscheint es der jungen Frau zunächst aussichtslos, sich wieder in ein gewöhnliches Alltagsleben einzufinden.

 

Die Mitglieder der Jury 1986

Dr. Gisela Uellenberg, Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross, Jost Herbig, Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding

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