Preisträgerin 1987

christa wolf

Geschwister-Scholl-Preis 1987, Wolf, CoverChrista Wolf
"Störfall. Nachrichten eines Tages "

 

Hermann Luchterhand Verlag

Darmstadt 1987


lieferbare Ausgabe:
Sammlung Luchterhand
112 Seiten, € 7.50
ISBN 3-630-62036-1

 

Die Verleihung

Am 04. November 1987 nahm Christa Wolf in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung hielt Herbert Rosendorfer.

 

Die Begründung der Jury

Die Schriftstellerin Christa Wolf, 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, gilt spätestens seit dem Erscheinen ihres Romans „Nachdenken über Christa T.“ als eine bedeutende Stimme in der deutschen Literatur. Der 26. April 1986 hat auch ihr Leben in zwei Teile geteilt: vor Tschernobyl und nach Tschernobyl. Auch sie hat dieses schreckliche Wort, das vorher unbekannt war, gelernt, obwohl sie es nicht nennt. Von Juni bis September hat sie ein schmales Buch geschrieben, einen kleinen Band konziser Prosa, in dem sie die Erfahrungen dieser brutalen Lebensteilung aufgezeichnet hat: „Störfall. Nachrichten eines Tages“. Das Wort – Störfall – ist eine Verniedlichung, eine Beschwichtigung und Vertuschung, was die Sache anbetrifft, es ist ein horrendes Wort für die Erzählerin dieses leisen, privaten Monologs, der fast etwas ist, wie die Darstellung der Sprachlosigkeit angesichts des Schreckens. Dieses Buch sollte ein „Störfall“ sein im Ablauf des bequemen Denkens, des Verdrängens der Gefahr der ökologischen Katastrophe, die uns bedroht und die wir nicht wahrhaben wollen (…).

 

christa wolf

Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg an der Warthe geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik in Jena und Leipzig war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband sowie bei verschiedenen Verlagen als Lektorin und Redakteurin tätig. Christa Wolf zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihr umfangreiches erzählerisches Werk wurde in alle Weltsprachen übersetzt und mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Gerhard Wolf, in Berlin. Den Geschwister-Scholl-Preis für ihren Titel „Störfall“ bekam sie noch als „DDR-Autorin“.

 

Das Werk

„Störfall. Nachrichten eines Tages“ ist Christa Wolfs literarische Antwort auf den 26. April 1986, den Tag des Reaktorunfalls in Tschernobyl. Schauplatz ist ein kleiner Ort in Mecklenburg. Die Erzählerin schildert die Ereignisse, die sich an diesem Tag kreuzen. Der Bruder ist in der fernen Stadt, wo er wegen eines Tumors am Gehirn operiert wird. Menschen kommen in den Ort, um nach Spuren alter Kriegserinnerungen zu suchen. Der alte Nachbar will ein paar Saatkartoffeln in die Erde bringen, doch überall wird verkündet, man solle nicht im Garten arbeiten. Und dann ist dieser Tag durchsetzt von einem angstvollen Warten: das Warten auf die Nachricht vom Überleben des Bruders, aber auch das Warten auf die Stimmen der „Experten“. Was wird geschehen mit der Natur? Was wird geschehen mit den Menschen? Als engagierte Zeitgenossin artikuliert Christa Wolf in ihren Aufzeichnungen, wie kollektive und individuelle Schicksale ineinander verwoben sind.

 

Die Mitglieder der Jury 1987

Dr. Gisela Uellenberg, Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross,
Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding, Barbara Mantler-Bondy, Dr. Rachel Salamander

Landenshauptstadt München Börsenverein des Deutschen Buchhandels | Bayern Literaturfest München

Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V.

Literaturhaus/Salvatorplatz 1, 80333 München
Tel. 089 / 29 19 42 41, Fax 089 / 29 19 42 49
info@buchhandel-bayern.de, www.buchhandel-bayern.de