Preisträgerin 1988

grete weil

Geschwister-Scholl-Preis 1988, Weil, CoverGrete Weil
"Der Brautpreis "

 

Verlag Nagel & Kimche
Zürich/Frauenfeld 1988
238 Seiten, € 19.90
ISBN 3-312-00140-4

 

Die Verleihung

Am 28. Oktober 1988 nahm Grete Weil in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Joachim Spencker, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Armin Eichholz.

 

Die Begründung der Jury

Zweiundfünfzig Jahre nach der Flucht aus Deutschland wird der ehemaligen Münchner Germanistik-Studentin, der Schriftstellerin Grete Weil, für den Roman „Der Brautpreis“ und in Ansehung ihres Lebenswerkes der Geschwister-Scholl-Preis 1988 zuerkannt. Wie schon in ihrem Roman „Meine Schwester Antigone“ erfasst Grete Weil, die den „morbus Auschwitz“ als ihre unheilbare Krankheit erkannt hat, das Geflecht der historischen Beziehungen und des persönlichen Schicksals so weit in die Vergangenheit zurück wie vor ihr noch keine überlebende Zeugin. Über drei Jahrtausende hinweg erfühlt sie eine Verwandtschaft mit König Sauls Tochter Michal, der ersten Frau von König David, und führt durch das dichterische Gegenüber von biblischer und eigener Geschichte in eine neue Dimension des historischen Bewusstseins. Es ist eine deutsche Elegie aus kaum gebändigter Wut, großer Liebessehnsucht und rücksichtsloser Selbsterforschung. Der Mut
zum unbequemsten Gedanken und die genaue Beschreibung des Schreckens erheben den Roman zu einem würdigen Begleitbuch von Flugblättern der Weißen Rose.

 

Grete Weil

Die Jüdin Grete Weil wurde 1906 in Rottach-Egern geboren. Sie studierte Germanistik und begann bereits als junge Frau zu schreiben. 1932 heiratete sie Edgar Weil, Dramaturg an den Münchner Kammerspielen. Mit ihm gemeinsam versuchte sie durch Flucht nach Amsterdam der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen. Nach der Kapitulation der Niederlande wurde ihr Mann 1941 im KZ Mauthausen umgebracht, sie selbst überlebte in einem Versteck. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück, heiratete wieder und war seit den fünfziger Jahren als Schriftstellerin, Übersetzerin und freie Rundfunkmitarbeiterin tätig. Sie lebte bis zu ihrem Tod 1999 in Grünwald bei München.

 

Das Werk

Grete Weil erzählt in ihrem Roman „Der Brautpreis“ die Geschichte von Michal, Tochter König Sauls und erste Frau König Davids, und Grete, eine deutsche Jüdin, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Grete Weil wendet sich damit erstmals den Anfängen der jüdischen Geschichte zu. Sie erzählt die Geschichte in Form eines fiktiven Dialogs zwischen Michal und Grete über die Jahrtausende hinweg. Es ist der Dialog zweier Frauen, die am Ende ihres Lebens stehen. Was beide verbindet, ist neben dem hohen Alter die Tatsache, dass sie Jüdinnen sind. Michal steht am Anfang jüdischer Geschichte, lebt in Israel zu einer Zeit, in der aus Nomaden Bauern werden. Grete hingegen sieht sich am Ende jüdischer Geschichte.Sie hat die Verfolgung überlebt, doch das Land Israel ist ihr fremd. Für beide Frauen spielt die Gestalt des David eine zentrale Rolle. Als dem Hirtenjungen die Macht eines Königs verliehen wird, verändert er sich. Ab diesem Moment zieht sich die Gewalt wie ein blutiger Faden durch seine Geschichte. In Grete Weils Roman ist die Erfahrung von Flucht und Verfolgung spürbar, aber auch der Versuch zu verstehen und zu versöhnen.

 

Die Mitglieder der Jury 1988

Dr. Gisela Uellenberg, Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross,
Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding, Barbara Mantler-Bondy, Dr. Rachel Salamander

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