Preisträger 1989

helmuth james von moltke

Geschwister-Scholl-Preis 1989, von Moltke, Cover

Helmuth James von Moltke
"Briefe an Freya 1939-1945 "
Hrsg. von Beate Ruhm von Oppen

 

Verlag C.H. Beck
München 1988
683 Seiten, € 38.00
ISBN 3-406-35279-0

 

Die Verleihung

Am 10. November 1989 nahm Freya von Moltke, die Adressatin der Briefe, stellvertretend für ihren Mann Helmuth James von Moltke in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Joachim Spencker, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung hielt Klaus von Dohnanyi.

 

Die Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird in diesem Jahr einer Sammlung von Briefen verliehen, die Helmuth James Graf Moltke zwischen 1939 und 1945 an seine Frau Freya geschrieben hat. Dieses Buch hat die Bedeutung einer nach einem halben Jahrhundert endlich veröffentlichten Autobiographie des aristokratischen Citoyen und religiösen Weltbürgers Moltke, der – wie er in den letzten Tagen seines Lebens schrieb – hingerichtet wurde, weil „nicht Pläne, nicht Vorbereitungen, sondern der Geist als solcher verfolgt werden soll.“

Selbstporträt und Porträt seiner Frau zugleich, zeichnen diese Kriegsbriefe aus dem Widerstand zwei Menschen, deren christlich aufrechter Charakter ein Licht bis in unsere Tage wirft, die doch sonst noch so oft von den Schatten jener Jahre verdunkelt werden. Die Erde mag die Furchen der Gewalt über Jahrhunderte zeigen und in unseren stummen Ängsten mögen die Erfahrungen dieser Jahre noch lange verborgen wohnen: In unserer wachen Erinnerung überstrahlt schon heute der mutige Aufstand des Gewissens das Dunkel des rechtlosen Nazi-Terrors. Für diesen Aufstand sind Helmuth James von Moltke ebenso wie die Geschwister Scholl unvergessliche Zeugen.

 

helmuth james von moltke

Helmuth James Graf von Moltke wurde 1907 in Kreisau /Schlesien geboren. Er schlug eine
juristische Laufbahn ein, verzichtete aber 1935 darauf, Richter zu werden, um nicht der NSDAP beitreten zu müssen. Von Moltke war Begründer und aktives Mitglied der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis. Er wurde am 11. Januar 1944 zum Tode verurteilt und zwölf Tage später in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Freya von Moltke, geboren 1911 in Köln, ist die Adressatin der Briefe. Die promovierte Juristin und Ehefrau des Widerstands-kämpfers hat die Texte aufbewahrt und zur Veröffentlichung freigegeben. Sie lebt heute in Vermont, USA. Freya von Moltke nahm den Geschwister-Scholl-Preis in München entgegen. Die Herausgeberin, Beate Ruhm von Oppen, lehrt am St. John’s College in Annapolis, USA. Von ihr liegen zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte vor.

 

Das Werk

Beinahe täglich schrieb Helmuth James von Moltke seit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Briefe an seine Frau Freya. Er arbeitete in der völkerrechtlichen Gruppe der Abwehr in Berlin, Freya musste in Kreisau zurückbleiben. Die Briefe sind ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte des Kreisauer Kreises und dessen Widerstand gegen das Regime. Sie sind zudem ein großartiges menschliches Dokument. Sie lassen den Leser an der Zwiesprache mit seiner Frau teilnehmen, mit der sich Helmuth James von Moltke über alle Erfolge und Misserfolge in seinem Kampf gegen die Unmenschlichkeiten der Nationalsozialisten austauschte. Wo immer er konnte, versuchte er durch persönliche Intervention oder durch Gutachten die Maßnahmen gegen die Kriegsgefangenen und gegen die Bevölkerung in besetzten Gebieten zu unterbinden oder zu mildern. Obwohl ihr Anteil an der Korrespondenz nicht erhalten ist, ist Freya von Moltke in den Schreiben ihres Mannes stets präsent. Ihrem Mut ist es zudem zu verdanken, dass die Texte über das Kriegsende hinaus gerettet wurden. Sie hielt das Bündel an Briefen unter höchster Gefahr versteckt, als ihr Mann im Gefängnis saß, vor Gericht kam und zum Tode verurteilt wurde.

 

Die Mitglieder der Jury 1989

Armin Eichholz, Herbert Rosendorfer, Prof. Dr. Werner Ross, Prof. Dr. Martin Broszat, Leonhard Reinisch, Albert von Schirnding, Barbara Mantler-Bondy, Dr. Rachel Salamander, Prof. Dr. Kurt Sontheimer

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