Preisträger 1991

georges-arthur goldschmidt

Geschwister-Scholl-Preis 1991, Goldschmidt, CoverGeorges-Arthur Goldschmidt
"Die Absonderung "

 

Ammann Verlag
Zürich 1991
184 Seiten, € 17.90
ISBN 3-250-10149-4

 

Die Verleihung

Am 25. November 1991 nahm Georges-Arthur Goldschmidt in einer feierlichen Verleihung in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Erwin Schumacher, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio wurde von dem Journalisten, Autor und Literaturkritiker Jürgen Busche gehalten.

 

Die Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird in diesem Jahr einem Buch verliehen, mit dem sein Autor nach zwei thematisch ähnlichen Arbeiten zur deutschen Sprache zurückgefunden hat. Die Erzählung „Die Absonderung“ zeichnet in höchst eindrucksvoller Weise die Erfahrungen eines Kindes nach, das zum Opfer der Willkürmaßnahmen einer Diktatur geworden ist. Georges-Arthur Goldschmidt veranschaulicht uns in beklemmenden Bildern das Erlebnis eines Opfers, das nicht anders kann, als nach und nach die Rolle des Opfers zu akzeptieren. Erfahrung und Sprache sind in dem Text eine vollendete Verbindung eingegangen. Sie bezeugt eine Nähe von beidem im Bewusstsein des Autors, von der dieser in der Absonderung selber spricht: „Als er am Spähwagen vorbeikam und so tat, als ginge ihn das nichts an, hörte er zwei Soldaten über ihn sprechen. Gierig beinahe hörte er nach dem Klang der Muttersprache. Jahrelang hatte er ihn nicht mehr gehört, und doch verstand er jedes Wort.“ Dem Dichter Georges-Arthur Goldschmidt verdanken wir es, wenn wir von unserer Muttersprache und von uns selbst wieder etwas mehr verstehen.

 

Georges-arthur goldschmidt

Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren. Obwohl er protestantisch erzogen wurde, galt Georges-Arthur nach den Gesetzen der Nazis als „Volljude“. Die Eltern schickten ihn deshalb nach Frankreich, wo er in einem Kinderheim vor seinen Verfolgern gerettet werden konnte. Heute lebt Goldschmidt in Paris. Er ist Mitglied des Deutsch-Französischen Kulturrats und Mitarbeiter verschiedener Feuilletons in Frankreich und Deutschland. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Essays, Romane und Übersetzungen.

 

Das Werk

"Die Absonderung“ ist die autobiographische Erzählung von Goldschmidts Flucht und seinem Überleben in einem savoyischen Kinderheim. Es ist das erste Buch, das Goldschmidt nicht in Französisch, sondern in seiner Muttersprache verfasst hat. An der Oberfläche wird in ihm die Geschichte der Vertreibung eines namenlosen Helden erzählt. Im Zentrum der Erinnerung jedoch steht das Innenleben des Jungen. Das kindliche Martyrium verschränkt sich mit der eigentümlichen Selbstfindung eines Heranwachsenden,
der mit nahezu masochistischem Genuss Demütigungen und Schmerzen erleidet. Der Dreizehnjährige nimmt sich selbst und seinen Körper als die letzte verlässliche Bastion wahr, die es zu verbergen, zu schützen, notfalls zu verteidigen gilt. Die erfahrene Züchtigung wird letztlich zu seiner Rettung, denn dieses begreifbare Leiden überdeckt das unerträgliche Heimweh. Ein großes Staunen durchzieht dieses Buch: das Staunen darüber, überlebt zu haben, aber auch das Staunen darüber, wie unendlich weit diese Welt ist und wie voll des Schreckens für einen wie ihn.

 

Die Mitglieder der Jury 1991

Dr. Rachel Salamander, Prof. Dr. Kurt Sontheimer, Dr. Norbert Frei, Dr. Jürgen Busche, Knud von Harbou, Dr. Gabriele von Arnim, Peter Hamm

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