Preisträger 1992

Wolfgang Benz / barbara distel

Geschwister-Scholl-Preis 1992, Distel/Benz, CoverWolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.)
"Solidarität und Widerstand "

Dachauer Hefte 7

Dachau 1991

lieferbare Ausgabe:
Deutscher Taschenbuch Verlag

München 1995
242 Seiten, € 7.62
ISBN 3-423-04667-8

 

Die Verleihung

Am 23. November 1992 nahmen Wolfgang Benz und Barbara Distel in einer feierlichen Verleihung in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Erwin Schumacher, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Gabriele von Arnim, die 1994 den Verein "Memento - Initiative KZ-Gedenkstätte Dachau" gründete.

 

Die Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird in diesem Jahr den Dachauer Heften verliehen, herausgegeben von der Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel und dem
Historiker Wolfgang Benz, weil die Themen der Dachauer Hefte uns eindrücklich davor warnen, je wieder gleichgültig zuzuschauen, wenn menschenverachtende Parolen und Taten unsere Verfassung und damit unsere Demokratie gefährden; weil in diesen Heften unsere so genannte jüngste Vergangenheit auch aus bisher unbekannten Quellen dokumentiert, unter den verschiedensten Aspekten erforscht und davor bewahrt wird, in Vergessenheit zu geraten; weil es in diesen Heften, wie die Herausgeber es einmal formulierten, „nicht um die Beschwörung der Vergangenheit als Selbstzweck, sondern um die Nutzanwendung der Erinnerung für eine demokratische und humane Gesellschaft“ geht; weil das hier ausgezeichnete 7. Heft, „den im Verborgenen gebliebenen Widerstandskämpfern und denen“ gewidmet ist, „denen Solidarität selbstverständlich war“;
weil wir heute Menschen brauchen, die den Anfängen widerstehen und denen Solidarität mit bedrohten Menschen selbstverständlich ist.

 

wolfgang Benz / barbara distel

Wolfgang Benz, geboren 1941, ist Professor an der Technischen Universität Berlin und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung, Mitherausgeber der Dachauer Hefte und der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert vorgelegt.

Barbara Distel, geboren 1943, als Bibliothekarin ausgebildet, hat in den Jahren 1964 bis 1967 maßgeblich am Aufbau der KZ-Gedenkstätte Dachau, besonders der Bibliothek und des Archivs, mitgewirkt. 1975 übernahm sie die Leitung der Gedenkstätte. Barbara Distel ist Mitglied im International Advisory Board des Simon-Wiesenthal Center, im Beirat der Stiftung Topographie des Terrors und des Hauses der Wannseekonferenz in Berlin.

 

Das Werk

Die Dachauer Hefte erscheinen seit 1985 jährlich im Auftrag des Comité International de Dachau und werden von Barbara Distel und Wolfgang Benz herausgegeben. Jeder Band widmet sich in Studien und Dokumentationen einem Schwerpunktthema. Band 7 trägt die Überschrift „Solidarität und Widerstand“. Im Vordergrund stehen dabei nicht die großen Taten der traditionellen Eliten in Militär und Politik, Bürokratie, Kirchen und Diplomatie. Vielmehr ist von Frauen und Männern die Rede, die die Verweigerung gegenüber der NS-Obrigkeit in ihrem Alltag lebten. Der Mut, der von vielen einzelnen immer wieder demonstriert wurde, ist der Aufmerksamkeit der Historiker und der Öffentlichkeit lange entgangen. Auch die zahlreichen Akte der Solidarität mit den Opfern des Terrorsystems sind bislang nicht ausreichend bezeugt. Erfahrungen wie die der jungen Charlotte Kahane, die als polnische Jüdin in Deutschland untertauchte und überlebte, sind ebenso unbekannt geblieben wie die Widerstandgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ oder das Schicksal der aufrechten Männer Werner Krumme und Karl Wagner.

 

Die Mitglieder der Jury 1992

Dr. Rachel Salamander, Prof. Dr. Kurt Sontheimer, Dr. Norbert Frei, Dr. Jürgen Busche, Knud von Harbou, Dr. Gabriele von Arnim, Peter Hamm

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