Preisträger 1993

wolfgang sofsky

Geschwister-Scholl-Preis 1993, Sofsky, CoverWolfgang Sofsky
"Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager "

 

S. Fischer Verlag
Frankfurt am Main 1993
400 Seiten, € 11.90
ISBN 3-596-13427-7

 

Die Verleihung

Am 24. November 1993 nahm Wolfgang Sofsky in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Erwin Schumacher, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio wurde von dem Zeithistoriker Norbert Frei gehalten, der auch Mitglied der Jury war.

 

Die Begründung der Jury

Seit Eugen Kogons grundlegender Darstellung über den „SS-Staat“ (1946) hat die Erforschung und Beschreibung des Konzentrationslagers als Inbegriff und Zentrum der
nationalsozialistischen Menschenvernichtung niemals aufgehört. Dennoch waren die Versuche, zu einer umfassenden Erklärung ihres Funktionierens vorzudringen, eher selten. Der Göttinger Soziologe Wolfgang Sofsky hat sich dieser Aufgabe unterzogen und ein Werk von großer analytischer Kraft und Klarheit vorgelegt. Gestützt auf die Berichte der Überlebenden beschreibt Sofsky, wie die Mechanismen „absoluter Macht“ die Menschen existenziell zerbrechen. Raum und Zeit, Arbeit und soziale Strukturen verlieren in der „Ordnung des Terrors“ ihre Orientierungsfunktion. Das Buch ist nicht nur ein bedeutender Beitrag zur zeitgeschichtlichen Forschung, es ist auch ein aktueller Kommentar zur Gewalt in der modernen Gesellschaft.

 

wolfgang sofsky

Wolfgang Sofsky, geboren 1952, ist Publizist und Professor für Soziologie. Er lehrte an den Universitäten Göttingen und Erfurt. Seine Arbeiten über die Anthropologie der Gewalt haben in der internationalen Öffentlichkeit große Beachtung gefunden. Essays und Kommentare von Wolfgang Sofsky sind regelmäßig in der deutschsprachigen Presse zu lesen.

 

Das Werk

Mit seinem Buch „Die Ordnung des Terrors“ legt Wolfgang Sofsky eine umfassende und detaillierte Studie über die Mechanismen und Strukturen der nationalsozialistischen Konzentrationslager vor. Er berücksichtigt dabei sowohl die formalorganisatorische als auch die soziale Komponente des Terrors. Zentraler Gegenstand für Sofsky ist die Ausübung der absoluten Macht: der Versuch der Nazis, die Gefangenen nicht nur physisch,
sondern auch psychisch zu kontrollieren. Denn zum Alltag gehörte nicht nur die entgrenzte Grausamkeit des SS-Personals, sondern auch die der zur Kollaboration gezwungenen Opfer. Der Soziologe rekonstruiert die zerstörerische Kraft der gezielten Tortur durch eine aufmerksame Lektüre von Häftlingsberichten. Wolfgang Sofskys Analyse macht nachvollziehbar, mit welcher tiefen Wirkung die Destruktionsmacht der NS-Politik noch bis hinein in die verästelte Häftlingsgesellschaft vordringen konnte.

 

Die Mitglieder der Jury 1993

Dr. Rachel Salamander, Prof. Dr. Kurt Sontheimer, Dr. Norbert Frei, Dr. Jürgen Busche, Knud von Harbou, Dr. Gabriele von Arnim, Peter Hamm

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