Preisträger 1996

Hans deichmann

Geschwister-Scholl-Preis 1996, Deichmann, Cover

Hans Deichmann
"Gegenstände - Oggetti "

All’insegna del pesce d’oro
di Vanni Scheiwiller


Mailand 1995


nur antiquarisch erhältlich

 

Die Verleihung

Am 25. November 1996 nahm Hans Deichmann in einer feierlichen Verleihung den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Christoph Wild, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt der Journalist und Publizist Erich Kuby.

 

Die Begründung der Jury

Das Buch ist autobiographisch, aber keine chronologische Ich-Erzählung. Hans Deichmann beschränkt sich auf die Rolle des Chronisten 'HD‘ und macht seine Erinnerungen in kurzen Kapiteln an jeweils einem Gegenstand fest. Das gibt Freiräume für Assoziationen. Selbstdistanziert, ironisch und unpathetisch werden Kindheit und Jugend beschrieben, vor allem aber seine oppositionelle Haltung gegen den Nationalsozialismus,
die SS und die Wehrmacht. So verhinderte Deichmann z. B. die Zwangsverschickung römischer Männer in Arbeitslager nach Osteuropa, unterstützte die Resistenza bei einem missglückten Attentatsversuch auf Fritz Sauckel, den Verantwortlichen für die Zwangsrekrutierung von Millionen von Arbeitskräften in ganz Europa und warnte Mitglieder der Widerstandsbewegung vor ihrer drohenden Verhaftung. Das Buch dokumentiert den Mut, die Intelligenz, die Geistesgegenwart und die Schlagfertigkeit von Dr. Hans Deichmann in sehr anschaulicher Weise. Seine Gedanken am Tag der Befreiung sind bezeichnend für seine Einstellung: „Ihm war bewusst, er hatte es geschafft zu überleben, auf fast rechtschaffene Weise, fast, denn eigentlich hätte er nicht leben, sondern mit den anderen ein Opfer der NS-Verbrecher sein sollen; dies Unrecht musste er nun mit in die Zukunft nehmen“.
Hans Deichmann macht für Nachgeborene verständlich, „was es geheißen hat, inmitten eines verbrecherischen, alles erfassenden Terrors seine eigene und die Menschenwürde der immer seltener werdenden Freunde zu erhalten“. Sein Buch macht Mut zur Zivilcourage,
der Waffe der Machtlosen.

 

hans deichmann

Hans Deichmann, geboren 1907 in Köln, studierte Jura, wurde 1931 promoviert und begann im selben Jahr eine kaufmännische Lehre bei der IG Farben in Frankfurt. 1942 wurde er als Beauftragter nach Italien entsandt, wo er für das Rekrutieren von italienischen Freiwilligen für den Bau einer Chemiefabrik in Auschwitz zuständig war. Nachdem er die wahren Hintergründe der Anlage in Auschwitz erkannt hatte, nahm er Kontakt zum italienischen Widerstand auf. Mit Deichmanns Hilfe gelang es unter anderem weitere Rekrutierungen von Arbeitern für die IG-Farben-Auschwitz und andere oberschlesische Baustellen des GB Chem zu verhindern. 1945 kehrte Deichmann nach Deutschland zurück mit dem Wunsch, sich an einer geistigen und politischen Erneuerung zu beteiligen. In seinen Erwartungen enttäuscht, emigrierte er 1948 nach Italien, wo er bis zu seinem Tod 2004 lebte. Hans Deichmann ist der Bruder von Freya und Schwager von Helmuth James von Moltke.

 

Das Werk

Bei den Aufzeichnungen von Hans Deichmann handelt es sich nicht um lückenlose Memoiren, sondern um „einzeln erlebte Episoden“. Erst 1993 kam es Hans Deichmann in den Sinn, diese Erzählungen – bescheiden, aber auch ein wenig ironisch „Gegenstände“ benannt – zu veröffentlichen. Ursprünglich waren seine Lebenserinnerungen vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus nur für Freunde bestimmt. „Gegenstände – Oggetti“ erschien in einer zweisprachigen Ausgabe. Auf diese Weise war das Werk sowohl den Menschen in Deutschland als auch in der Wahlheimat Deichmanns zugänglich.

 

Die Mitglieder der Jury 1996

Dr. Gabriele von Arnim, Peter Hamm, Günther Bergmann, Luitgard Kirchheim, Dr. Tilman Spengler, Dr. Renate Schostack, Prof. Dr. Reinhard Wittmann

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