Preisträger 1997

ernst klee

Geschwister-Scholl-Preis 1997, Klee, Cover

Ernst Klee
"Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer "

 

S. Fischer Verlag
Frankfurt am Main 1997
ca. 528 Seiten, € 14.90
ISBN 3-596-14906-1

 

Die Verleihung

Am 24. November 1997 nahm Ernst Klee in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Christoph Wild, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Ellis Huber.

 

Die Begründung der Jury

Mit seinem Buch „Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer“ knüpft Ernst Klee an seine bahnbrechenden Forschungen zur Euthanasie im „Dritten Reich“ an. Nüchtern und zugleich akribisch genau dokumentiert er die entsetzlichsten Experimente, die im Namen medizinischer Forschung an wehrlosen Menschen vorgenommen wurden. Die Opfer waren vor allem KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene. Die Täter rekrutierten sich aus der Elite der deutschen Ärzteschaft. Die meisten konnten ihre Karriere nach 1945 ungestört fortsetzen. Ernst Klee hat in zahlreichen Archiven recherchiert und unbekanntes Material zutage gefördert. Er macht nicht nur die Täter im Ärztekittel namhaft, sondern auch ihre Auftraggeber und Förderer in der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Pharmaindustrie, den Forschungslabors und wissenschaftlichen Instituten von SS und
Wehrmacht. Sein Buch vermittelt wichtige neue Erkenntnisse über den inneren Zusammenhang und das ganze Ausmaß der Medizinverbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Mit diesem Werk wird zugleich die jahrzehntelange Arbeit eines engagierten Publizisten ausgezeichnet, der sich nie gescheut hat, Tabuthemen aufzugreifen, und der sich der Aufklärung besonders im Dienste der Benachteiligten und Behinderten in unserer Gesellschaft verpflichtet weiß.

 

ernst klee

Ernst Klee wurde 1942 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Studium begann er in den sechziger Jahren als Journalist zu arbeiten. Für seine Filme und Artikel erhielt er zahlreiche
Auszeichnungen, u. a. 1982 den Adolf-Grimme-Preis. Sein „Behinderten-Report“ aus dem Jahre 1974 wurde zum Standardwerk über die Probleme der größten Randgruppe in unserer Gesellschaft. Seit den frühen achtziger Jahren konzentriert Ernst Klee seine Forschungstätigkeit auf Euthanasie und Medizinverbrechen im Nationalsozialismus.

 

Das Werk

Am 20. August 1947 endete in Nürnberg der so genannte Ärzteprozess. Angeklagt waren Mediziner, die während der Nazi-Zeit Menschen wie Versuchstiere behandelt hatten. Klee belegt in seinem Buch, dass die Elite der deutschen Medizin von den Verbrechen wusste oder daran beteiligt war. Anhand von bisher unveröffentlichten Quellen rekonstruiert Ernst Klee die Karrieren zahlreicher (Mit-)Verantwortlicher, die nach dem Krieg unangefochten angesehene Universitätskatheder bzw. lukrative Chefsessel von Pharma-Unternehmen übernahmen. Das Personenregister des Buches enthält mehr als tausend Namen.

 

Die Mitglieder der Jury 1997

Peter Hamm, Günther Bergmann, Luitgard Kirchheim, Dr. Tilman Spengler, Dr. Renate Schostack, Prof. Dr. Reinhard Wittmann, Dr. Volker Ullrich

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