Preisträger 1999
peter gay
Peter
Gay
"Meine deutsche Frage. Jugend in Berlin 1933-1939 "
Verlag
C.H. Beck
München 1999
232 Seiten, € 12.50
ISBN 3-406-42110-5
Die Verleihung
Am 22. November 1999 nahm Peter Gay in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Christoph Wild, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.
Die Laudatio wurde von Karl Dietrich Bracher gehalten.

v.l.n.r.
Oberbürgermeister Christian Ude, Prof. Dr. Peter Gay und Dr. Christoph Wild
(Vorsitzender des Verbandes)
Foto: Christine Strub
Die Begründung der Jury
"Die Jury zeichnet damit ein Werk aus, das auf exemplarische Weise die Beschreibung eines jüdischen Einzelschicksals mit der Analyse einer Epoche verbindet. Uneitel und unprätentiös, ohne Selbstmitleid und mit feinem Humor erzählt der Autor, der 1923 als Peter Fröhlich geboren wurde und 1939 buchstäblich in letzter Minute mit seiner Familie emigrieren konnte, das Drama seiner Jugend im Berlin der dreißiger Jahre. Er zeigt, wie widersprüchlich die Alltagsrealität unter der Nazi-Diktatur war, und gibt so eine Antwort auf die immer wieder gestellte Frage, warum viele deutsche Juden sich erst spät (oder auch gar nicht) entschließen konnten, das Land zu verlassen.
"Meine deutsche Frage" ist darüber hinaus ein Dokument der Selbsterforschung. Mit seinem an Freud geschulten Blick fragt Gay danach, welche Spuren das Trauma der Nazi-Jahre bei ihm hinterlassen hat. Und er versucht, mit seinen zwiespältigen Gefühlen Deutschland und den Deutschen gegenüber ins Reine zu kommen. Gay betreibt Aufklärung auf eine hierzulande fast verlorengeglaubte Weise: Er respektiert die Wirklichkeit der Geschichte und verhält sich zu ihr als Deuter und als Mahner. Er legt soziale Strukturen offen und ortet die Triebkräfte des Irrationalen. Dass er darüber hinaus sich das Gespür für das Kunstschöne, für den Umgang mit Wörtern und seinen Humor bewahrt hat, fand die Jury desgleichen hervorhebenswert.
Peter Gays Erinnerungsbuch zeugt vor allem aber von Mut und Wahrhaftigkeit. Es vereint die Genauigkeit der Beobachtung mit der Bereitschaft zur Versöhnung. In ihm lebt das Ethos der Aufklärung, das auch sein bedeutendes kulturhistorisches Oeuvre auszeichnet."
Peter Gay
Der
heute in New York und in Hamden/Connecticut lebende Peter Gay wurde
1923 in Berlin geboren, fand 1941 Aufnahme in den USA und ist heute
emeritierter Sterling Professor für Geschichte der Yale University
und Direktor des Dorothy and Lewis B. Cullman Centers für Wissenschaftler
und Schriftsteller an der New York Public Library. 1983/84 war Peter
Gay Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin. Für seine Werke
erhielt Gay unter anderem den National Book Award und den Ralph Waldo
Emerson Award of Phi Beta Kappa. Von ihm erschien
"Freud, Juden und andere Deutsche", 1986 (S. Fischer Verlag)
und eine fünfbändige Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts: Erziehung
der Sinne. "Sexualität im Zeitalter der Aufklärung"
(1986), "Die zarte Leidenschaft. Liebe im bürgerlichen Zeitalter"
(1987), "Kult der Gewalt. Aggression im bürgerlichen Zeitalter"
(1996), "Die Macht des Herzens. Das 19. Jahrhundert und die Erforschung
des Ich (1997) und soeben Bürger und Bohème. Kunstkriege des 19. Jahrhunderts"
(alle Verlag C.H. Beck).
Das Werk
Peter Gay hat ein persönliches Erinnerungsbuch
geschrieben. Es erzählt die Geschichte seiner Jugend in Berlin.
Die Jahre, die Gay als assimilierter antireligiöser Jude im nationalsozialistischen
Deutschland erlebt, schildert der Psychoanalytiker aufrichtig und ohne
jede Spur von Anklage oder Selbstmitleid. Auch die ambivalenten Gefühle,
die er dem heutigen Deutschland und seinen Bewohnern gegenüber
hegt, kommen zur Sprache und
werden reflektiert.
Die Mitglieder der Jury 1999
Günter Bergmann, Luitgard Kirchheim, Dr. Heribert Prantl (Preisträger
1994), Dr. Joachim Sartorius, Dr. Renate Schostack, Dr. Tilman Spengler,
Dr. Volker Ullrich und
Professor Dr. Reinhard Wittmann