Preisträger 2001

Arno gruen

Geschwister-Scholl-Preis 2001, Gruen, CoverArno Gruen
"Der Fremde in uns "

 

Verlag Klett Cotta
Stuttgart 2000
238 Seiten, € 19.00
ISBN 3-608-94282-3

 

Die Verleihung

Am 12. November 2001 nahm Arno Gruen in der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Geschwister-Scholl-Preis 2001, VerleihungDie Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung hielt Burkhard Hirsch.

 

 

v.l.n.r.
Oberbürgermeister Christian Ude, Prof. Dr. Arno Gruen, Dr. Rosemarie von dem Knesebeck und Prof. Dr. Andreas Heldrich, Rektor der LMU

Foto: Christine Strub

 

Die Begründung der Jury

"Der Geschwister Scholl-Preis 2001 wird vergeben an das Buch "Der Fremde in uns" von Arno Gruen. Der 1923 in Berlin geborene Autor mußte als Kind in die USA emigrieren; dort und in der Schweiz wirkte er jahrzehntelang als Wissenschaftler und Psychotherapeut. Seine zahlreichen Publikationen nehmen den Blickwinkel der Psychoanalyse ein, ohne diese als Patentrezept zu verstehen. Sie suchen nach Wegen, die Ganzheitlichkeit und Autonomie des Menschen zu bewahren oder wiederzugewinnen.

Gruens "Buch "Der Fremde in uns" ist von bestürzender Aktualität. Sein Thema sind die Wurzeln von Fremdenhaß (vor allem des Antisemitismus) und Terror: "Fremdenhaß hat auch immer etwas mit Selbsthaß zu tun", richtet sich gegen einen entfremdeten, unterdrückten Teil des eigenen Ich und führt zu Lebenslügen, falscher Anpassung an die Macht und Selbstpreisgabe, innerer Leere und Destruktivität. Das Buch erforscht die Herkunft dieses "Verrats am Selbst" in den Erfahrungen der Kindheit und Sozialisation, es zeigt die Mechanismen und Metamorphosen der Täter-Opfer-Beziehung und erhellt die komplexe Dynamik von Selbstentfremdung, Fremdenhaß und destruktiver Gewalt. Die Beispiele reichen von den NS-Tätern bis zu den aktuellen Beispielen von Fanatismus, etwa auf dem Balkan, und Rechtsradikalismus.

Das Buch ist trotz seiner schwierigen Thematik klar, pointiert und eindringlich geschrieben, wenngleich zuweilen überspitzend und provokant. Es verharrt nicht bei der Diagnose, sondern zeigt Wege aus der Gewalt auf; es gibt Anstöße zur liebevollen Zuwendung gegenüber Kindern und Erwachsenen und ist ein aufrüttelnder Appell an Empathie und Mitgefühl, die "in uns eingebaute Schranke zur Unmenschlichkeit".

 

Arno gruen

Arno Gruen, 1923 in Berlin geboren, emigrierte 1936 in die USA. Dort und in der Schweiz war er jahrzehntelang als Professor und Therapeut an verschiedenen Universitäten und Kliniken tätig, seit 1958 auch in seiner eigenen psychoanalytischen Praxis. Seit 1979 lebte und praktizierte Arno Gruen in der Schweiz. Arno Gruen galt als ein Vertreter der Humanistischen Psychologie. Arno Gruen verstarb am 20. Oktober 2015 im Alter von 92 Jahren.

 

Das Werk

„Der Fremde in uns“ ist ein Buch über die Ursachen von Gewalt und Grausamkeit. Anhand von Fällen aus seiner Praxis und von gewalttätigem Verhalten „kleiner“ und „großer“ Leute
wie Hitler, Göring, Heß, Speer und andere Nazis entwickelt Arno Gruen charakteristische Merkmale des gewalttätigen autoritären Charakters. Er zeigt die zerstörerischen Anteile in jedem von uns, die das Eigene zum Fremden machen, als eigentliche Krankheit. Ignorieren
wir dies, muss unser Geschichtsbewusstsein unvollständig bleiben, und Pogrome, Holocaust, ethnische Säuberungen und verdeckter oder offener Fremdenhass werden weiter die Geschichte des Menschen bestimmen.
Sein Ziel ist es, dazu beizutragen, die zerstörerischen Anteile wie panische Angst, rastlose Leidenschaft, blinden Hass, besonders den Hass auf Fremde, zurückzudrängen, bevor sie übermächtig werden. Gruen macht Mut, den eigenen, unbekannten Kontinent der Gefühle vor diesem Hintergrund zu erforschen. Es gilt Einsichten zu gewinnen, die das eigene mitmenschliche Handeln leiten.

 

Die Mitglieder der Jury 2001

Ulrich Chaussy, Gert Heidenreich, Regina Moths, Dr. Heribert Prantl (Preisträger 1994),
Dr. Joachim Sartorius, Dr. Renate Schostack, Dr. Volker Ullrich und Prof. Dr. Reinhard Wittmann

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