Preisträger 2002

raul hilberg

Geschwister-Scholl-Preis 2002, Hilberg, CoverRaul Hilberg
"Die Quellen des Holocaust "

aus dem Amerikanischen von Udo Rennert

S.Fischer Verlag
Frankfurt am Main 2002
256 Seiten, € 22.90
ISBN 3-10-033626-7

 

Die Verleihung

Am 02. Dezember 2002 nahm Raul Hilberg in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt der Historiker Hans Mommsen.Geschwister-Scholl-Preis 2002, Verleihung

 

v.l.n.r.
Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, Prof. Dr. Raul Hilberg, Oberbürgermeister Christian Ude, Dr. Walter H. Pehle, Lektor von Raul Hilberg beim S. Fischer Verlag


Foto: Christine Strub

 

Die Begründung der Jury

"Die Jury empfiehlt, den Geschwister-Scholl-Preis 2002 an das Buch "Die Quellen des Holocaust" von Raul Hilberg zu vergeben. Dieses Buch verdient den Preis nicht zuletzt für seine nonkonformistische Strenge: Es zeigt Fachleuten wie Laien, wie seriöse historische Forschung zur Judenvernichtung in allen ihren Aspekten heute auszusehen hat. Ein elementar aufklärendes Buch wie dieses gehört zur Grundausstattung etwa von Schulbibliotheken, um zur selbständigen Forschung anzuregen.

Das Buch "Die Quellen des Holocaust" ist Teil eines enormen Lebenswerks, das der Erforschung des europäischen Judenmords galt und die Grundlagen für alle spätere Befassung mit diesem Thema legte. Ebenso minutiös wie umfassend untersuchte Hilberg die Organisationsformen und Stufen des Vernichtungsprozesses, die bürokratische Dynamik und die moralische Enthemmung. Erst durch Hilbergs nüchterne Erkenntnisleistung konnte der Holocaust aus einem Gegenstand fassungslosen Entsetzens zum Ausgangspunkt einer wirksamen moralischen und rechtlichen Neuorientierung - nicht zuletzt in den internationalen Beziehungen - werden. Der Preis soll an eine Forscherpersönlichkeit mit sperrigem, eigenwilligem Charakter gehen - Raul Hilberg hielt gegen vielfache Widerstände im akademischen Milieu und in der Öffentlichkeit an seinem wissenschaftlich-moralischen Anliegen fest. Diese Unbeirrbarkeit sollte gerade im deutschen Sprachraum endlich die verdiente Anerkennung finden. "

 

raul hilberg

Geschwister-Scholl-Preis 2002, Hilberg, Portraitwurde am 2. Juni 1926 in Wien geboren. 1939 flüchteten seine Eltern mit ihm vor dem nationalsozialistischen Terror nach Nordamerika. Dort studierte er u.a. bei dem Politikwissenschaftler und Juristen Franz Neumann, der aus Berlin hatte fliehen müssen. 1945 kam Hilberg als amerikanischer Soldat nach Deutschland und entdeckte in München die in Kisten verpackte Privatbibliothek Hitlers. Dieses Erlebnis stand am Beginn einer lebenslangen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus.
Raul Hilberg hat eines der wenigen Standardwerke über den Holocaust geschrieben, das in einer dreibändigen Fassung im Fischer Taschenbuch Verlag unter dem Titel "Die Vernichtung der europäischen Juden" vorliegt. Er veröffentlichte im S. Fischer Verlag das Buch "Täter, Opfer, Zuschauer" und seine Autobiographie "Unerbetene Erinnerung. Der Weg eines Holocaust-Forschers". 1999 erhielt er für sein Lebenswerk den Marion-Samuel-Preis der "Stiftung Erinnerung".
Raul Hilberg starb am 4. August 2007.

 

Das Werk

Befehle, Anordnungen und Berichte aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zeichnen sich charakteristischerweise durch eine äußerst karge Sprache aus. Raul Hilberg zeigt an zahlreichen Beispielen, wie er das spröde Quellenmaterial zum Sprechen bringt. Er führt vor, wie aus einem in interessegeleiteter Tarnsprache formulierten Papier ein Dokument der eigentlichen Absicht des jeweiligen Urhebers wird. Die Dokumente sprechen nie für sich, sondern erst, wenn sie sachkundig befragt und mit ausgefeilten quellenkritischen Methoden bearbeitet werden. Auf diese Weise eröffnen sich neue Einblicke in die Geschichte der NS-Verbrechen. Raul Hilberg erstellte mit diesem Buch einen „Leitfaden durch das Labyrinth der Dokumente“ (Saul Friedländer).

 

Die Mitglieder der Jury 2002

Ulrich Chaussy, Sabine Dultz, Gert Heidenreich, Regina Moths, Dr. Heribert Prantl,
Elke Schmitter und Dr. Gustav Seibt

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