Preisträgerin 2004

Soazig Aaron

Geschwister-Scholl-Preis 2004, Aaron, CoverSoazig Aaron
"Klaras NEIN"

aus dem Französischen von Grete Osterwald
mit einem Vorwort von Jorge Semprun

Friedenauer Presse
Berlin 2003
188 Seiten, € 19.50
ISBN 3-932109-32-5

 

Die Verleihung

Am 22. November 2004 nahm Soazig Aaron in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Verleger und Hochschullehrer Christoph Buchwald, der auch Mitglied der diesjährigen Jury war. Geschwister-Scholl-Preis 2004, Verleihung

 

 

v.l.n.r.
Christoph Buchwald, Oberbürgermeister Christian Ude, Soazig Aaron,
Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende unseres Verbandes
Foto: Christine Strub

 

Die Begründung der Jury

"Soazig Aaron erzählt in ihrem (ersten) Roman eine ungeheuerliche Geschichte: Klara, nach 29 Monaten im KZ als eine der letzten heimgekehrten Überlebenden zurück in Paris, weigert sich kategorisch, wieder ein “normales Leben” zu führen, und sie will auch die eigene Tochter nie wieder sehen.

Die Jury hat dieses literarische Meisterstück so beeindruckt, weil die Autorin etwas schildert, was so bislang noch nicht beschrieben war: Sie erzählt die Geschichte einer “überlebenden Toten”, einer Überlebenden, die für jeden und alle eine Zumutung zu sein glaubt – und das auch tatsächlich ist.

Zugleich weist das Buch jedoch über den geschilderten Konflikt weit hinaus und zeigt uns, was ein verantwortliches Gegenwartsbewusstsein vor allem auszeichnet: Toleranz und die Bereitschaft, das eigene Urteilen, Denken und Empfinden als möglicherweise “begrenztes” zu begreifen.

Soazig Aaron ist etwas gelungen, was Primo Levi, KZ-Überlebender und überragender literarische Chronist dieser Erfahrungen, einmal sinngemäß so formuliert hat: Die meisten Berichte über die Lager sind buchhalterisch und literarisch zweifelhaft. Erzähle deine Geschichte deshalb auf höchstem literarischen Niveau, und das heißt nichts anderes als: erzähl sie so, dass sie unseren Verstand und unsere Seele erreicht und wir sie nie mehr vergessen.

Soazig Aarons Buch ist um so erstaunlicher, als die Autorin vier Jahre nach Kriegsende geboren, also keine Zeitzeugin ist. Ihr Buch ist “pure fiction”, und genau dieser Umstand ist es, der den Schriftsteller (und KZ-Überlebenden) Jorge Semprun so begeistert hat: “Klaras NEIN ist der Roman, auf den ich gewartet habe, das erste, unvergessliche Zeichen der Kraft eines fiktiven literarischen Versuchs, sich an die kühne und bescheidene Rekonstruktion unserer innersten Erfahrung der Vernichtung zu wagen, die auch ihre Rettung ist“ (aus Jorge Sempruns Vorwort zu Klaras NEIN)."

 

soazig aaron

Geschwister-Scholl-Preis 2004, Aaron, PortraitSoazig Aaron wurde 1949 in Rennes geboren. Nach dem Studium der Geschichte arbeitete sie einige Jahre in einer Pariser Buchhandlung. Sie lebt heute in der Bretagne. „Klaras NEIN“ ist ihr erstes Buch. Als Historikerin hat Soazig Aaron Berichte von Überlebenden der Konzentrationslager gelesen, schrieb das Buch „Klaras NEIN“ aber ohne Betroffene persönlich zu kennen. Als Französin und Nicht-Jüdin hatte sie – so Aaron – den nötigen Abstand und die Freiheit, solch ein Buch zu schreiben.

 

Das Werk

„Klara ist wieder da“ – damit beginnt Angelika Ende Juli 1945 ein Tagebuch, um festzuhalten und zu verarbeiten, wie sie nach der Rückkehr ihre Freundin und Schwägerin Klara erlebt. Nach 29 Monaten im Konzentrationslager Auschwitz und einer Irrfahrt durch halb Europa kehrt diese nach Paris zurück. Die Schwägerin hält in ihrem Tagebuch fest, was ihr an Klara auffällt, was sie sagt, und es ist das Unaussprechliche, das sich durch Klaras Stimme, in Bruchstücken und unter größter Anstrengung, nach und nach mitteilt. „Klaras NEIN“ ist die erschütternde, fiktive Geschichte einer Verweigerung und inneren Wandlung einer „toten Überlebenden“.

 

Die Mitglieder der Jury 2004

Christoph Buchwald (Verleger und Hochschullehrer), Ulrich Chaussy (Autor und Publizist), Sabine Dultz (Münchner Merkur, Feuilleton), Gert Heidenreich (Autor), Dr. Ingeborg Harms (Publizistin und Literaturkritikerin), Susanne Höhn (Goethe Institut ), Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität München), Dr. Petra Kipphoff (Die Zeit) und Dr. Gustav Seibt (Historiker und Publizist).

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