Preisträgerin 2005

Necla Kelek

Geschwister-Scholl-Preis 2005, Kelek, Cover

Necla Kelek
"Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren
des türkischen Lebens in Deutschland "

 

Kiepenheuer & Witsch
Köln 2005272 Seiten, € 18,90
ISBN
3-462-03469-3

 

Die Verleihung

Am 14. November 2005 nahm Necla Kelek in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt derJurist, Journalist und Publizist Heribert Prantl, dem der Geschwister-Scholl-Preis 1994 verliehen wurde. Der feierliche Festakt wurde von Aylin Aykan musikalisch umrahmt.Geschwister-Scholl-Preis 2005, Verleihung

 

v.l.n.r.
Dr. Heribert Prantl, Necla Kelek, Oberbürgermeister Christian Ude,
Dr. Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende unseres Verbandes

Foto: Christine Strub

 

Die Begründung der Jury

„Auf Erfahrungen in ihrer eigenen Lebensgeschichte gestützt, hat die türkisch-deutsche Soziologin Necla Kelek ein zorniges, aufrüttelndes Buch geschrieben: eine Streitschrift gegen den archaischen Sittenkodex der Zwangsheirat, für einen besseren Schutz der Opfer arrangierter Ehen und für das Recht auf selbstbestimmte Lebensführung. Ihr Appell zielt nicht in erster Linie auf gesetzliche Regelungen, so notwendig diese auch sind, sondern auf eine zivilgesellschaftliche Debatte über Normen und Werte im interkulturellen Dialog. Necla Kelek konfrontiert uns mit Verstößen gegen die Grundrechte von türkischen Bürgerinnen, die mitten unter uns leben und somit auch mit einer Frage, die ebenso unbequem wie unumgänglich ist: Wo verläuft in Deutschland die Grenze zwischen dem gebotenen Respekt vor kultureller Differenz und falsch verstandener Toleranz? Mit dem Einblick in die Praxis der Zwangsverheiratung und ihre Folgen gibt Necla Kelek ein alarmierendes Signal. Sie streitet für die Durchsetzung elementarer Rechte von Mädchen und Frauen, die aus der Türkei zu uns gekommen sind. Diese leben in unserer Nachbarschaft in ethnischen Enklaven, die von Außenkontakten weitgehend abgeschottet sind. Necla Kelek verbindet ihren Bericht mit einer radikal-kritischen Sicht auf bestimmte islamischen Traditionen wie auch auf den Gang und Stand der deutschen Integrationspolitik.

Mit Necla Keleks „Die fremde Braut“ wird ein Buch mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet, das vom persönlichen Mut und der geistigen Unabhängigkeit der Autorin zeugt, bürgerliche Freiheit fördert, dem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein Impulse gibt und einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung der Integrationsdebatte leistet.“

 

Necla Kelek

Geschwister-Scholl-Preis 2005, Kelek, PortraitDr. phil., geboren 1957 in Istanbul, hat in Deutschland Volkswirtschaft und Soziologie studiert und über das Thema »Islam im Alltag« promoviert. Sie forscht zum Thema Parallelgesellschaften und berät u. a. die Hamburger Justizbehörde zu Fragen der Behandlung türkisch-muslimischer Gefangener. Sie wurde ins Projektteam der evangelischen Kirche berufen, das den Kirchentag 2005 in Hannover vorbereitet. Necla Kelek unterstützt eine aktuelle Gesetzesinitiative in Baden-Württemberg, Zwangsheiraten unter Strafe zu stellen.

 

Foto: Christine Strub

 

Das Werk

Zeynep ist 28 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und lebt seit zwölf Jahren in Hamburg. Sie versorgt den Haushalt ihrer Großfamilie und spricht kein Wort Deutsch. Die Wohnung verlässt sie nur zum Koranunterricht. Sie ist eine »Import-Gelin«, eine Importbraut, eine moderne Sklavin.

Tausende junger türkischer Frauen werden jedes Jahr durch arrangierte Ehen nach Deutschland gebracht. Die demokratischen Grundrechte gelten für sie nicht, und niemand interessiert sich für ihr Schicksal. Die türkisch-muslimische Gemeinde redet von kulturellen Traditionen, beruft sich auf Glaubensfreiheit und grenzt sich von der deutschen Gesellschaft ab. Und findet dafür Verständnis bei den liberalen Deutschen, die eher bereit sind, ihre Verfassung zu ignorieren, als sich den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit machen zu lassen.

Necla Kelek, Türkin mit deutschem Pass, deckt die Ursachen dieses Skandals auf. Sie ist in die Moscheen gegangen und hat mit den »Importbräuten« gesprochen, sie forscht den Traditionen nach und zeigt, wie sich die Parallelgesellschaft verfestigt, an der die Integration immer wieder scheitert.

 

Die Mitglieder der Jury 2005

Christoph Buchwald (Verleger und Hochschullehrer), Ulrich Chaussy (Autor und Publizist), Sabine Dultz (Münchner Merkur, Feuilleton), Gert Heidenreich (Autor), Dr. Ingeborg Harms (Publizistin und Literaturkritikerin), Susanne Höhn (Goethe-Institut ), Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität München), Dr. Petra Kipphoff (Die Zeit) und Dr. Gustav Seibt (Historiker und Publizist).

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