Preisträger 2008
david grossman

David
Grossman
"Die Kraft zur Korrektur. Über Politik und Literatur. "
Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling
Carl Hanser
Verlag
München 2008
152 Seiten, € 15,90 (D) / sFr. 29,50
ISBN 978-3-446-20998-5
Die Verleihung
Am 24. November 2008 nahm David Grossman in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.
Die Laudatio hielt die Literaturwissenschaftlerin Dr.
Rachel Salamander.
Die feierliche Verleihung wurde vom Quartett des Orchesters Jakobsplatz
München musikalisch umrahmt
- Ansprache von Wolf Dieter Eggert
- Ansprache von Christian Ude
- Laudatio von Rachel Salamander
- Dankesrede von David Grossman
Speech
by David Grossman
(v.l.n.r.) Laudatorin Dr. Rachel Salamander, Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender unseres Verbands, David Grossman, Oberbürgermeister Christian Ude
Foto: Christine Strub
die Begründung der Jury
„Der Geschwister-Scholl-Preis 2008 wird dem israelischen Schriftsteller
David Grossman verliehen. Er erhält den Preis für seinen Band Die
Kraft zur Korrektur (2008) und ausdrücklich auch für sein Gesamtwerk,
das in mehr als 30 Sprachen übersetzt ist. Grossmans Werk zeichnet sich durch
eine erfindungsreiche und literarisch faszinierende Art aus, indem
es von den menschlichen Leidenschaften, Traumata und Ängsten unserer
Zeit erzählt.
Zudem hat Grossman, der 1954 geboren wurde, wie kein anderer seiner
Generation immer wieder neu über den Zusammenhang von Literatur und
Politik nachgedacht. So plädiert er in Die Kraft zur Korrektur für eine Literatur,
die auch unter den Bedingungen des Krieges ein Refugium der Freiheit
bleiben muss, eine ideologiefreie Zone, in der (auch) die Koordinaten eines
friedlichen Nebeneinander von Israelis und Palästinensern mit allen Konsequenzen
gedacht und vermessen werden können.
Ausdrücklich verweist die Jury auf Grossmans zutiefst beeindruckendes
erzählerisches Werk, seine nicht nachlassende Insistenz, den Dialog „im Katastrophengebiet“
nicht aufzugeben.
Dieses Werk bewahre die Fähigkeit zur „differenzierten, einfühlsamen
Hinwendung zu dem einzelnen Menschen, der in dem Konflikt gefangen
ist, gleichgültig ob auf unserer Seite oder der anderen“ (Grossman).
Der Geschwister-Scholl-Preis ehrt somit einen Autor, der auch unter
schwierigsten politischen und persönlichen Umständen den Mut zum unabhängigen
Denken und zum „Einfühlen in den Anderen“ nie aufgegeben hat.“
david grossman

David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. Seine Bücher wurden weltweit übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er arbeitete mehrere Jahre als Redakteur beim Rundfunk, 1979 veröffentlichte er seine ersten Erzählungen.
Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Das Werk
Dieser Band versammelt Grossmans wichtigste Stellungnahmen zur Politik
und Literatur aus den letzten Jahren, mit denen er jedes Mal großes
Aufsehen erregte. In einer Rede zum Todestag von Rabin appelliert er an den
israelischen Ministerpräsidenten, trotz der extremistischen Hamas auf das
palästinensische Volk zuzugehen und endlich Frieden zu schließen. Er wendet
sich gegen die Erstarrung, fordert die Kraft zur Korrektur - nicht nur von
den Politikern, sondern auch von den Schriftstellern. Denn die Literatur
ist das Gegenmittel zur Verflachung der Sprache und der Gedanken. Welche
Kraft und welche Chance in der Literatur liegen können, hat er zuletzt in
seiner bewegenden Eröffnungsrede zum Berliner Literaturfestival 2007 dargelegt.
"Texte von atemberaubender Klarheit. Wer eine authentische Stimme sucht,
die von der Zerrissenheit erzählt, Israeli zu sein, der hat sie in
David Grossman gefunden. Ähnlich Eindringliches bekommt man selten zu lesen." Anne
Haeming, Das Parlament, 10.03.08
Die Mitglieder der Jury 2008
Dr. Christoph Bartmann (Goethe Institut), Christoph Buchwald (Verleger), Dr. Dieter Heß (Bayerischer Rundfunk), Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität München), Dr. Susanne Mayer (Die Zeit), Gitta Severloh (Hessischer Rundfunk) und Sabine Zaplin (Schriftstellerin)