Preisträger 2009

Roberto Saviano

 

Roberto Saviano
"Das Gegenteil von Tod"

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß
Erschienen im Carl Hanser Verlag.
München 2009
71 Seiten, € 10,90
ISBN 978-3-446-23335-5

 

Als ungekürzte Lesung auf Audio-CD
erschienen bei Hörbuch Hamburg.

 

 

Die Verleihung

Am 16. November 2009 nahm Roberto Saviano in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde. Die Laudatio hielt Giovanni di Lorenzo.

 

 

Roberto Saviano trifft studierende
des Geschwister-scholl-instituts

Zum 30. Geschwister-Scholl-Preis, der am 16. November 2009 an Roberto Saviano für sein Buch "Das Gegenteil von Tod" verliehen wurde, gab es im Vorfeld der Verleihung erstmals ein Gespräch zwischen Preisträger und Studierenden des Geschwister-Scholl-Instituts für Poltikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Zwei Teilnehmerinnen berichten hier von ihren Eindrücken:

"15 Studierende des Geschwister-Scholl-Institutes für Politikwissenschaft der LMU München hatten die einmalige Gelegenheit, Roberto Saviano in einer Diskussionsrunde kennenzulernen. Organisiert wurde das Treffen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Fachschaft Politik des Geschwister-Scholl-Instituts.


Obwohl das Gespräch nur mit einer Dolmetscherin und dem obligatorischen Personenschutz stattfinden konnte, entstand im Senatssaal der LMU sehr schnell eine unkomplizierte, persönliche Atmosphäre. Nicht nur die Teilnehmer stellten Fragen, sondern auch Saviano war an den Meinungen der Studierenden sehr interessiert. So entwickelte sich innerhalb von kürzester Zeit eine rege Diskussion. Die Stunde, die für das Gespräch angesetzt war, ging schneller vorbei, als es den Anwesenden lieb war – die Fragen hätten noch für einen ganzen Nachmittag ausgereicht."

Eva Blomberg und Andrea Forster,
Geschwister-Scholl-Institut

 

die Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis 2009 wird dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano verliehen. Er erhält den Preis für sein aktuelles Buch "Das Gegenteil von Tod", aber darüber hinaus für sein engagiertes Schreiben insgesamt, das im Sinne des Preises „von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.“ Roberto Saviano hat den Mut, die Wahrheit zu sagen – er spricht Dinge aus, die in Italien fast niemand zu sagen wagt und die damit unseren Blick auf Italien verändert haben.

Schon mit seinem literarischen Debüt „Gomorrha“ (2006) hat er einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie die Mafia, speziell die Camorra, immer noch das Leben der Menschen systematisch zerstört. Es ist die Klarheit und Intensität seiner Sprache, die seine Essays, Reportagen und Erzählungen so erschütternd macht: nüchtern, gleichzeitig empathisch, zart und in höchstem Maße poetisch. Seine literarische Wucht ist gespeist aus dem Zorn über die weltweite Macht der organisierten Kriminalität – trotzdem ist Roberto Saviano fähig wie kein anderer, die komplexen Sachverhalte eindringlich und allgemeinverständlich darzustellen. Damit leistet er ungeachtet seiner eigenen Situation einen einzigartigen Beitrag zum Verständnis des Leidens seiner Mitmenschen in seiner Heimat. Wenn er schreibt "Es gibt Orte, an denen geboren werden schuldig werden bedeutet. Der erste Atemzug und der letzte Schnupfen sind ein und dasselbe. Sie bedeuten Schuld", öffnet er uns die Augen für das unentrinnbare Dilemma und vermittelt uns eine Ahnung dessen, was es bedeuten kann, wenn eine kriminelle Organisation ein Land mit Terror und Leid überzieht.

Auch wenn der gerade 30jährige Roberto Saviano nicht mehr ohne Leibwächter leben kann und in seinem Land sogar als Nestbeschmutzer beschimpft wird – er schreibt weiter. Der Geschwister Scholl-Preis ehrt somit einen Autor, der unter Einsatz seines Lebens dagegen anschreibt, eine ausweglos erscheinende Situation als gegeben hinzunehmen.

 

Roberto Saviano

Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, studierte Philosophie an der Universität Neapel Federico II. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Journalist für den Corriere del Mezzo-giorno, Il Manifesto und L`Espresso. Für "Gomorrha", sein erstes Buch, wurde Roberto Savia-no u.a. mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet. "Gomorrha" löste 2006 in Italien, aber auch den europäischen Nachbarländern, eine breite Diskussion über die weltweite Macht der Camorra aus. Der Autor erhielt in der Folge Morddrohungen und lebt heute unter Polizeischutz. Er ist Mitglied der Organisation "Osservatorio sulla camorra e l`illegalità".

Foto: Piero Pompili

 

 

Das Werk

Nach dem sensationellen Erfolg seines Mafia-Bestsellers "Gomorrha" zeigt Roberto Saviano in erschütternden Reportagen die andere Seite der Medaille:
die Welt jener jungen Italiener, die auf der Seite des Gesetzes stehen und doch auch an vorderster Front. Im armen Süden von Italien, wo jungen Männern keine große Wahl bleibt, wenn sie einer legalen Arbeit nachgehen wollen, ist der Dienst bei der Polizei oder beim Militär oft die einzige Chance, der Kriminalität zu entgehen. Savianos namenloser Erzähler berichtet von gleichaltrigen Freunden, die sich zu Kampfeinsätzen gemeldet haben, im Kosovo, in Afghanistan oder in Somalia, und von denen viele nur als Tote zurückgekommen sind.

 

Die Mitglieder der Jury 2009

Dr. Christoph Bartmann (Goethe-Institut), Christoph Buchwald (Verleger), Dr. Dieter Heß (Bayerischer Rundfunk), Prof. Dr. Martin H. Geyer (LMU / Historisches Seminar), Dr. Susanne Mayer (Die Zeit), Gitta Severloh (Hessischer Rundfunk) und Susanne Beyer (Der Spiegel) sowie
als Vertreter des Landesverbands Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Michael Krüger (Hanser Verlag), Thomas Rathnow (Deutsche Verlags-Anstalt), Prof. Dr. h.c. mult Klaus G. Saur (Verleger) und als Vertreter des Stadtrats Dr. Reinhard Bauer (SPD-Fraktion), Siegfried Benker (B90/Grüne/RL) und Ursula Sabathil (CSU-Fraktion).

 

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