Preisträger 2010

Joachim Gauck

Joachim Gauck
"Winter im Sommer – Frühling im Herbst"

In Zusammenarbeit mit Helga Hirsch
Siedler Verlag
München 2009
352 Seiten, € 22,95
ISBN 978-3-88680-935-6

 

 

 

 

Die Verleihung

Der Geschwister-Scholl-Preis wurde am 29. November 2010 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilian-Universität in München an Joachim Gauck verliehen. Oberbürgermeister Christian Ude und Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde. Laudator war Peter Schneider. Die Verleihung wurde von LovelyBooks aufgezeichnet (siehe Video-Player unten).

>> Ansprache von Wolf Dieter Eggert
>> Ansprache von Christian Ude
>> Laudatio von Peter Schneider
>> Dankesrede von Joachim Gauck  

 

 

 

 

 

(v.l.n.r.) Oberbürgermeister Christian Ude,
Joachim Gauck, Wolf Dieter Eggert,
Vorsitzender unseres Verbands
Foto: Kerstin Dahnert

 

Live-Stream der Preisverleihung realisiert von der BuchCommunity LovelyBooks:

 

 

"Man hat immer eine Entscheidung."


Gespräch mit dem Geschwister-Scholl-Preisträger

Im Vorfeld der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an Joachim Gauck hatten Studenten des Geschwister-Scholl-Instituts die Gelegenheit, dem Preisträger Fragen zu stellen. Ein Teilnehmer berichtet:

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"Man hat immer eine Entscheidung." Zu welchem Anlass könnten diese Worte besser passen als zur Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an den Bürgerrechtler Joachim Gauck. Er lobt Hans und Sophie Scholl als "Ermutiger, die alles riskieren für ihre Wahrheit."

15 Studierende des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft konnten wegen des Schneefalls zwar nicht wie geplant im direkten Zusammentreffen, aber zumindest auf der Pressekonferenz ihre interessanten Fragen an den Preisträger stellen. In dem Gespräch ermutigte Gauck die Studierenden, Verantwortung für ihr Lebensumfeld zu übernehmen, als Studierende für die Hochschule, als Bürger für den Staat, als Menschen für ihre Freiheit.

Sogar auf die Frage, wie man den glücklich würde, wusste Gauck eine Antwort: "Es gibt eine Instanz in uns, die uns belohnt, wenn wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten gehen, wenn wir für etwas leben – für andere Menschen, für die Kunst, für die Gesellschaft oder für Gott."


Tobias Müller, Geschwister-Scholl-Institut

 

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird Joachim Gauck für sein Buch Winter im Sommer - Frühling im Herbst verliehen. Es ist die Autobiografie eines Mannes, der wie wenige andere über seine Opposition zur DDR-Führung und die Aufarbeitung des DDR-Unrechts identifiziert wird. Der Theologe Gauck war erster Bundesbeauftragter für die Unterlagen der Staatssicherheit. Im Juni 2010 wurde Joachim Gauck überraschend zum Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vorgeschlagen, er stellte sich zur Wahl, unterlag, seine Kandidatur aber hat eine Debatte ausgelöst, die auf ungewöhnlich deutliche Weise politische Sehnsüchte und Verwerfungen im Lande offen legte. Mit seiner klaren Haltung in Leben und Werk ragt Joachim Gauck aus dem politischen und gesellschaftlichen Mainstream heraus. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Debatten darüber, ob die DDR nun ein Unrechtsstaat gewesen sei oder nicht, noch voll im Gang. Joachim Gauck zeigt in seinem Buch, dass für ihn die Antwort ganz einfach ist: Die DDR-Führung nahm ihren Bürgern die Freiheit und das war unrecht. Die Freiheit ist ein hohes Gut, die engste Verwandte der Menschenwürde. „Doch ich wollte und will mir jene warme und tiefe Zuneigung zur Freiheit erhalten, die wohl nur versteht, wer sich lange und intensiv nach ihr gesehnt hat und in ihr magnetisches Feld geraten ist“, schreibt Gauck. Sehnsucht nach Freiheit – dies ist der Geist, der geeignet ist, dem Gegenwartsbewußtsein wichtige Impulse zu geben, und in dem auch die Geschwister Scholl gehandelt haben.

 

Der Autor

Joachim Gauck, geboren am 24. Januar 1940 in Rostock, war von 1990 bis 2000 Bundesbeauftragter für die Unterlagen der Staatssicherheit. Seit 2003 ist er Vorsitzender des Vereins »Gegen Vergessen – Für Demokratie«. Er lebt in Berlin. Joachim Gauck verlebte seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste. Später studierte er Theologie in Rostock und fand seinen Weg in die Kirche in Mecklenburg. Distanz zum DDR-System prägte seine Tätigkeit von Anfang an. Wie selbstverständlich wurde er Teil einer kritischen Bewegung und schließlich zu einer Symbolfigur im Umbruch von 1989. Nach dem Mauerfall übernahm Gauck politische Verantwortung, er wurde Abgeordneter im ersten freien Parlament der DDR und erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Der Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen blieb als Redner und Kommentator sein großes Thema, auch als er nach zehn Jahren aus dem Amt ausschied.

 

Das Buch

Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen aufgeschrieben. Ihm ist ein gleichermaßen politisches wie emotional berührendes Buch gelungen, in dem er in klaren Bildern die traumatisierende Erfahrung der Unfreiheit und das beglückende Erlebnis der Freiheit nachzeichnet und den schwierigen Übergang von erzwungener Ohnmacht zu einem selbstbestimmten Leben beschreibt.

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