Preisträger 2013

Otto Dov Kulka

Otto Dov Kulka
"Landschaften der Metropole des Todes. Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft
"



DVA
München 2013
192 Seiten, € 19,99
ISBN 978-3-421-04593-5

 

Geschwister-Scholl-Preis 2013

Die Verleihung

Der 34. Geschwister-Scholl-Preis wurde am 18. November 2013 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München an Otto Dov Kulka für sein Buch "Landschaften der Metropole des Todes. Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft" verliehen. Oberbürgermeister Christian Ude und Dr. Jörg Platiel, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde. Die Laudatio hielt Dr. Susanne Heim (Institut für Zeitgeschichte).

Kulka formulierte in seiner Dankesrede in der Großen Aula der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität: „Jahrzehntelang glaubte ich, dass es ausschließlich der wissenschaftliche Weg sein könne, auf dem ich diese Vergangenheit verstehen will und den ich auch weiterhin in meiner Arbeit verfolge. Sie könnten fragen: Wo war Auschwitz zu jener Zeit? Es war anwesend. Aber nur in meinen Tagebüchern und Träumen.“
Mit dem ausgezeichneten Buch bricht der 1933 geborene Kulka mit der strikten Trennung von wissenschaftlicher Arbeit und persönlichen Erinnerungen an seine Kindheit in Auschwitz.
In ihrer Laudatio auf den Preisträger hob Dr. Susanne Heim vom Institut für Zeitgeschichte deshalb auch die Sprache des Buches hervor: „Die metaphernreiche Sprache überlässt vieles der Vorstellungskraft des Lesers, statt es in grauenhafter Konkretion zu benennen. Vielleicht ist diese Sprache auch der Schwierigkeit der eigenen Wiederannäherung an den Ort geschuldet. Denn die schrittweise Erkundung der „Landschaften der Metropole des Todes“ führt zu der Erkenntnis, sie nie wirklich hinter sich gelassen zu haben.“


Foto: Kerstin Dahnert ( v.l.n.r.): Dr. Jörg Platiel, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., Otto Dov Kulka, Oberbürgermeister Christian Ude

 

Geschwister-Scholl-Preis 2013

Begründung der Jury

Otto Dov Kulka wurde 1933 in der Tschechoslowakei geboren, er lernte gleichzeitig die deutsche und die tschechische Sprache, seit 1949 lebt er in Israel, inzwischen ist er emeritierter Professor für die Geschichte der Juden an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Er hat über Jahrzehnte die Verbrechen der Nationalsozialisten erforscht und bemerkenswerte Studien dazu vorgelegt. Dass er als Kind nach Auschwitz deportiert worden war, machte er nie zum Thema seiner Arbeit.

Nun, im Alter von achtzig Jahren, hat Kulka das erschütternde Buch "Landschaften der Metropole des Todes" veröffentlicht, in dem er seine Erinnerungen an Auschwitz nachgeht, zugleich aber klarstellt, dass eine zusammenhängende Rückschau auf seine Erfahrungen im Konzentrationslager für ihn nicht möglich ist. Kulka betrachtet wie von außen seine Kindheitstage in Auschwitz, ruft Szenen ab, fragt nach deren Bedeutung, legt sich aber nicht fest auf eine Deutung, sondern umkreist, hinterfragt seine eigenen Bilder und Analysen.

Mit dieser eindrucksvollen Erzählweise macht Kulka sichtbar, dass es für die monströsen Verbrechen von Auschwitz nicht die eine, fassbare Erklärung gibt, sondern dass es immer bei der Frage nach dem Warum bleiben wird. Die Frage nach dem Warum aber ist nötig, Erkenntnis ist möglich, auch dies macht Kulka deutlich, indem er seine Leser auf seine Suche nach Bildern und Deutungen mitnimmt und ihnen die Mechanismen von Gewalt und Ausgeliefertsein vor Augen führt.

"Landschaften der Metropole des Todes" ist somit kein klassisches Erinnerungsbuch, sondern eine Reflexion über die Chancen und Grenzen des Erfassens und Verstehens und eine schmerzliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Gedächtnis. In einer Zeit, in der sich die Frage nach der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Ermordung der Juden Europas neu stellt, ehrt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises mit Otto Dov Kulka einen herausragenden Forscher und einen Schriftsteller, der mit seinen "Landschaften der Metropole des Todes" zu einem mutigen Selbst-Erforscher und einem Erkunder der Abgründe des Menschlichen geworden ist.

Kulkas Buch wirkt beim Leser nach und schafft es mit seinen Erinnerungsbildern, die Wahrnehmung der Vergangenheit zu verändern und somit neue Impulse für die Gegenwart zu geben. Sein Buch ist ein ebenso unkonventionelles wie ergreifendes Zeugnis, das es niemandem leicht macht und dem viele Leser zu wünschen sind.  

 

Geschwister-Scholl-Preis 2013

Der Preisträger

Andreas Huckele
Otto Dov Kulka wurde 1933 in der Tschechoslowakei geboren.
Der emeritierte Professor für die Geschichte des jüdischen Volkes an der Hebräischen Universität in Jerusalem hat sich zeitlebens mit dem Völkermord an den Juden beschäftigt.
© Kerstin Dahnert  

 

 

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