Preisträger 2014

Glenn Greenwald

Glenn Greenwald
"Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen
"



Droemer Verlag
München 2014
368 Seiten, € 19,99
ISBN 978-3-426-27635-8

 

Die Verleihung

Der 35. Geschwister-Scholl-Preis wurde am 1. Dezmeber 2014 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München an Glenn Greenwald verliehen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (rechts) und Michael Lemling, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde (Foto: Mathis Beutel). Die Laudatio hielt Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und Leiter des Ressorts Innenpolitik.

„Ist der Verbrecher der, der ein Verbrechen anzeigt – und nicht der, der sie verübt?“ Diese Frage stellte Heribert Prantl bei seiner Laudatio auf Glenn Greenwald. „Der Staat darf nicht alles, was er tut, mit der Firewall des Strafrechts umgeben. Dann werden auch illegale Geheimnisse zu geschützten Geheimnissen; Staatsschutz nennt man das dann. Es gibt aber im Strafrecht den Rechtfertigungsgrund der Notwehr und der Nothilfe. Snowden ein Nothelfer. Und unser Preisträger Glenn Greenwald hat ihm bei dieser Nothilfe geholfen. Greenwald hat dem Ur- und dem Kerngehalt der Pressefreiheit realisiert: Sagen was ist! Das hat Greenwald getan: Er hat gesagt was ist – und er sagt es immer wieder.“

„Die wichtigste Lektion, die ich während meiner Arbeit mit Edward Snowden gelernt habe," so Glenn Greenwald in seiner Dankesrede "ist, dass Mut ansteckend ist. Der Geist dieses Muts, den Edward Snowden zeigte, hat uns infiziert.“ Als ein wichtiges Ergebnis der Arbeit in den letzten 18 Monate hob Glenn Greenwald die globale Debatte hervor, die nicht nur über Privatheit und Überwachung sondern auch über den Machtmissbrauch von demokratischen Regierungen geht. Die Men-schen seien dadurch in die Lage versetzt, über die Macht des Internets, über ein freies Internet und über die machtvolle Waffe eines überwachten und damit unfreien Internets, zu diskutieren und mitzuentscheiden.

 

 

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird Glenn Greenwald für sein Buch „Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ verliehen.


Glenn Greenwald hat einer breiten internationalen Öffentlichkeit vor Augen geführt, in welchem Ausmaß der amerikanische Geheimdienst NSA weltweit die elektronische Kommunikation überwacht, erfasst und speichert. Greenwald hat erheblichen Mut bewiesen, als er sich entschloss, mit Edward Snowden, dem abtrünnigen NSA-Mitarbeiter und bedeutendsten „Whistleblower“ aller Zeiten, zusammenzuarbeiten, um mittels zahlreicher Enthüllungen zu zeigen, dass die totale Überwachung nicht nur eine technische Möglichkeit, sondern eine reale politische Gefahr geworden ist.


Als engagierter Jurist und leidenschaftlicher Journalist warnt Glenn Greenwald vor einem mächtigen Überwachungsapparat, der unsere Privatsphäre zu zerstören und die Grundlagen der Demokratie zu untergraben droht. Er verkörpert damit das überzeugende zeitgenössische Beispiel eines couragierten Bürgers, der sich gemeinsam mit anderen und ohne Rücksicht auf persönliche Nachteile für das Recht auf ungehinderte Berichterstattung, freie Meinungsäußerung, individuelle Freiheit und die notwendige Kontrolle staatlicher Macht einsetzt. Glenn Greenwald hat mit seinen Artikeln und nun auch mit seinem Buch „Die globale Überwachung" exemplarisch demonstriert, was eine freie, unabhängige Publizistik leisten kann und was sie leisten sollte.


Erst durch die aufklärerische Arbeit von Glenn Greenwald und anderen, durch die Auswertung zahlloser von Edward Snowden zur Verfügung gestellter Dokumente und das Aufzeigen geheimdienstlicher Tätigkeiten, die im Namen der Sicherheit grundlegende Freiheitsrechte beschädigen, haben wir genauere Einsicht in die Gefährdungen unserer Zeit gewonnen. Und damit die Chance erhalten, Fehlentwicklungen zu korrigieren und Machtmissbrauch zu verhindern.


Damit zeugt das Wirken Glenn Greenwald von geistiger Unabhängigkeit. Es ist geeignet, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und gibt dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse.

 

Der Preisträger

Andreas Huckele

Glenn Greenwald, (geb. 1967 in New York City) ist Jurist und Verfassungsrechtler. Er war Kolumnist beim Guardian und ist einer der einflussreichsten politischen Kommentatoren in den USA. 2014 gründete Greenwald sein eigenes Internetmagazin The Intercept. Er lebt in Brasilien.

© Jimmy Chalk  

 

 

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